Geistliche Begleitung

Die Seele stärken lassen. Vertrauen einüben


Auf dieser Seite finden Sie Gebets- oder Lesefrüchte

oder sonstige Erkenntnisse aus meinem Glaubensleben, 

die mir wichtig geworden sind. 

Sie sind herzlich eingeladen, darauf zu reagieren.

 

Geistliches Tagesthema vom 15. Oktober 2019

Ich habe schon einige Jahre den Schwerbehindertenstatus, der mir eine Freifahrt im Öffentlichen Nahverkehr erlaubt. Das ist schön, gilt aber nicht in Intercityzügen. Aus besonderem Anlass habe ich darum ein geeignetes Ticket gekauft – auf dem Handy, wie sich das heute gehört.

Im Zug habe ich dann entdeckt, dass es inzwischen sogar einen Comfort-CheckIn gibt: Man teilt dem Schaffner über das Handy mit, wo man sitzt und der kommt dann nicht mehr zur Kontrolle. Allerdings klappte das bei mir nicht – und nach einiger Zeit fand ich den Grund heraus: Mein Computer (oder besser gesagt: ich selbst) hatte bei der Ticketausstellung ein falsches Datum eingetragen. Damit war das Ticket wertlos, teilte mir zumindest der Computer mit, mit dem ich im Zug chatten konnte. Ich wusste nicht mehr, ob ich über meine Beziehung zur modernen Technik lachen oder weinen sollte…

Als dann aber weder der Schaffner von vorne noch der Schaffner von hinten bis zu mir zur Kontrolle kamen habe ich mich einfach für die Bewahrung bedankt und bin ausgestiegen. Gott wirkt offensichtlich auch in der Deutschten Bahn!


Geistliches Tagesthema vom 11. Okt. 2019

Ich habe mit einem Amt Schwierigkeiten. Sie rühren sich nicht. Sie lassen sich jede Information wie Würmer aus der Nase ziehen – und wenn sie antworten, dann in einem Ton, der mich ganz klein macht.

Ich habe jetzt beschlossen, mich dagegen zu wehren. Ich habe einen Anspruch auf Unterstützung. Auch wenn ich Unterstützung brauche, so ist es doch immer noch ein Anspruch und keine freiwillige Leistung. Also will ich als Partner auch ernst genommen werden.

Unsere Befähigung kommt von Gott – sagt der Lehrtext zur heutigen Tageslosung. Dieser Satz hat mich mutig gemacht. Ich werde meinen Anspruch geltend machen, denn ich weiß: Ich habe hier einen Rückhalt. Meine Befähigung kommt von Gott…


Geistliches Tagesthema vom 8. Oktober

Am Sonntag war Erntedankfest. Viele Kirchen waren schön geschmückt und die Gottesdienste wurden liebevoll gefeiert.

Überall wurde wohl auch der Wochenspruch zu diesem Tag gelesen: Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Mir sind in diesem Jahr die letzten Worte dieses Verses aus dem 145. Psalm besonders wichtig geworden. Die rechte Zeit – wann ist das? Sind wir uns in der Einschätzung der Zeit mit Gott einig? Teilen wir seine Sicht? Oder hätten wir gern schneller, was wir brauchen? Können wir überhaupt noch warten – oder macht es uns Angst, wenn wir keine Vorräte haben und auf Gott angewiesen sind?

 Bei den Raubtieren im Zoo steigt die Unruhe und viele brüllen, wenn die Fütterungszeit näher kommt. Mir scheint, viele Menschen ähneln mehr ihnen, als dem Beter des 145. Psalms. Gott zu vertrauen und ihm die Bestimmung der rechten Zeit zu überlassen ist ein hohes Ziel.


Geistliches Tagesthema vom 27. September

Menschen werden sich erst dann wieder für die Kirche interessieren, wenn sie sehen, dass das Leben in der Kirche besser ist als das Leben außerhalb. So habe ich es im letzten Geistlichen Tagesthema formuliert.

Seitdem geht mir diese Frage nicht mehr aus dem Kopf. Wie sehen Menschen die Kirche? Verhalten sich Kirchenmitglieder anders als andere Menschen? Tun sie etwas, was andere Menschen nicht tun? Unterlassen sie etwas, was andere Menschen problemlos tun?

Gibt es hier Unterschiede? Soll es überhaupt Unterschiede zwischen Christen und Nichtchristen geben? Wie leben wir unseren Glauben? Wollen, sollten wir etwas anders machen?

Über diese Fragen will, muss ich eine Weile nachdenken…


Geistliches Tagesthema vom 24. September

Gestern haben sie im Radio über die Kirche diskutiert. „Glauben Sie an die Erneuerung der Kirche?“ war die Frage. Und: Was müsste die Kirche tun, um die Menschen besser anzusprechen?

Die Anrufer waren uneins. Die Einen meinten dies, die anderen hielten anderes für besser.

Mir ist die Fragestellung fremd. Ich war in einer leitenden Tätigkeit unserer Kirche und habe die Ohnmacht von Kirchenleitung am eigenen Leib erfahren. Es gibt keine einheitliche Leitung in der Kirche  –  weder in der evangelischen noch in der katholischen Ausformung – und die Menschen machen eh, was sie wollen. Erst wenn wir alle begreifen, dass ein Leben nach dem Willen Gottes besser ist, als ein Leben nach unseren Bedürfnissen, erst dann werden wir unser Leben ändern.

Wie Menschen aber anfangen sollen, nach Gott zu fragen, wo ihnen von allen Seiten eingehämmert wird, dass ihr freier Wille das höchste Gut ist, das weiß ich auch nicht. Hier ist schon viel Gottvertrauen gefragt.



Geistliches Tagesthema vom 20. September

Über was habe ich mich mit dieser Freundin nicht alles gestritten! Bei so vielen Dingen waren wir uns nicht einig. Es ist kein Wunder, dass wir nicht zusammen geblieben sind – obwohl es doch einige gemeinsame Jahre waren…

Sie ließ zum Beispiel beim Zähneputzen das Wasser laufen. Ich war damals schon grün angehaucht und habe das oft moniert. Völlig erfolglos! Sie ließ sich diese „Freiheit“ nicht nehmen.

Bei mir aber hat sich das Verhalten eingegraben. Noch heute, nach fast 40 Jahren, bin ich immer wieder versucht, beim Zähneputzen das Wasser laufen zu lassen. Ich beherrsche mich meist, aber es hat für mich oft den Geschmack einer Einschränkung.

Manchmal läuft ein kleines Rinnsal, ökologisch völlig unbedenklich, und ich denke dann staunend und immer noch ein wenig empört an die frühere Freundin…

 Was für eine mächtige Kraft ist doch die menschliche Seele!


Geistliches Tagesthema vom 17. Sept. 2019

Am heutigen Dienstag beginnt mein Dienst im Bamberger Dom. Ich werde den „Moment am Mittag“ mit gestalten und in loser Reihenfolge mit Anderen eine 10minütige Andacht für die Besucher halten. Ich bin der erste evangelische Christ, der hier mitwirken darf.

Natürlich ist das spannend und eine Herausforderung. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich in einem Büchlein zum Dom von Erzbischof Ludwig Schick den Satz fand: „Die Christen messen ihren Kirchen keine Heilsbedeutung zu, aber Funktionen für das Heil, das allein von Jesus Christus kommt.“ Das kann ich auch als evangelischer Christ vollständig unterschreiben.

Erst recht habe ich mich gefreut, als ich heute Morgen in den Losungen diesen Liedvers von Georg Weissel aus dem Jahr 1642 fand. Das Lied (Evang. Gesangbuch, Nummer 346) beginnt so:

Such, wer da will, ein ander Ziel,// die Seligkeit zu finden; // mein Herz allein bedacht soll sein, // auf Christus sich zu gründen. // Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, // sein heilger Mund hat Kraft und Grund, // all Feind zu überwinden.

Wenn sich Christen aus verschiedenen Jahrhunderten und unterschiedlichen Denominationen so einig sind, dann muss es doch stimmen: Jesus Christus ist die Mitte der Welt!



Geistliches Tagesthema vom 13. September

Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen. Im Traum bin ich von riesigen Insekten angegriffen worden. Die Zahnärztin hat mir gestern auch nicht helfen können; ich muss die Schmerzen noch mindestens eine Woche aushalten. Zu allem Unglück war heute Morgen auch der Gartenwasserhahn verstellt und ich habe mich selber nass gespritzt.

Freitag der 13.??? Eher nicht.

Ich halte es mit dem Lied, das den heutigen Losungen beigegeben ist: Wechselnde Pfade, Schatten und Licht: Alles ist Gnade, fürchte dich nicht. Es gibt miese Tage – aber nicht am Leben teilnehmen wäre noch schlimmer!

Ein paar Mal singen und es geht mir noch nicht wirklich gut, aber schon besser…


Geistliches Tagesthema vom 10. September

Schon seit Wochen nehme ich mir vor, die neuen Exerzitien zu schreiben. Immer wieder schiebe ich es vor mir her. Die 10 Gebote stehen als Thema an. Ich habe Respekt vor der Aufgabe, mich diesen besonderen Worten auszusetzen.

Gestern kam der Durchbruch. „Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein“, wird der barmherzige Vater in den Losungen zitiert. Dieser Auftrag, ursprünglich zu dem älteren Sohn gesagt, hat mich elektrisiert. Ist das nicht auch ein Auftrag an uns heutige Christen? Wie lebt man fröhlich und guten Mutes in der Gegenwart Gottes? Und können die 10 Gebote da eine Hilfe sein?

Plötzlich sprudeln die Gedanken – und ich freue mich darauf, sie anderen Menschen weiter zu geben und sie mit ihnen zu besprechen. Vielleicht gelingt es uns, gemeinsam diesem Auftrag näher zu kommen.

Fröhlich und guten Mutes sein – das will Gott von uns. Und bei mir hat er es in diesen Tagen auch gemacht.


Geistliches Tagesthema vom 6. September

Heute früh hat beim Schwimmen alles gepasst. Im Becken waren nicht zu viele Menschen. Die Luft war kalt, aber das Wasser hatte noch 24 Grad. Ich konnte beim Kraulen in aller Ruhe atmen und beim Brustschwimmen bis nach hinten durchziehen. In meinem Tempo habe ich meine Bahnen gezogen. Es war ein herrliches Gefühl, danach unter der heißen Dusche zu stehen…

Wie wenig braucht es manchmal zum Glück: Das Schwimmen am Morgen erfordert kaum Aufwand. Nur den inneren Schweinehund muss man vor dem Aufstehen überwinden. Aber dann lacht die Sonne – heute sogar tatsächlich.

 Wie wenig braucht es manchmal zum Glück! Danke, lieber Gott.


Geistliches Tagesthema vom 3. September

Ich hatte mich in einem Konflikt verrannt. Ich sah die Ursachen des Streits im Verhalten des Anderen. Ich fühlte mich gefangen in einem Netz von Hoffnungslosigkeit. Ich sah die Lösung – wenn überhaupt – in einer fernen Zukunft, wo alles besser werden würde.

Und dann zeigte mir ein Freund die Wirklichkeit auf. Es war die Gegenwart, die mich so hoffnungslos machte. Ich fühlte mich allein gelassen und nicht geliebt – und wenn es eine Lösung gab, dann sofort und nicht in der Zukunft.

Seine Beschreibung tat mir gut. Sie gab mir eine neue Perspektive. Sie öffnete Horizonte. Sie ließ mich in neuer Weise auf mein Leben, den Konflikt und meine Bedürfnisse schauen. Ich fühlte mich geborgen und angenommen.

Am selben Tag fand ich ein Lied bei den Losungen. Ich habe es mir angeschaut, wie es meine Gewohnheit ist. Es steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 355 und beginnt so:

Mir ist Erbarmung widerfahren, // Erbarmung, deren ich nicht wert; // das zähl ich zu dem Wunderbaren, // mein stolzes Herz hat’s nie begehrt. // Nun weiß ich das und bin erfreut // und rühme die Barmherzigkeit.

Das waren meine Gefühle! Das ist meine Situation. So erging es mir in meinen Problemen.

Vielleicht passt nicht jeder Vers dieses Liedes – aber das Grundgefühl spricht mir aus der Seele: Jemand hat mich angenommen. Aus lauter Barmherzigkeit. Das tut so gut!

Und jetzt singe ich das Lied immer wieder und freue mich an dem guten Gefühl.


Geistliches Tagesthema vom 30. August

Meine Enkeltochter war zu Besuch. Sie ist 1 ½ Jahre alt und eine kleine Persönlichkeit. Ich sehe sie nicht oft und sie war entsprechend reserviert. Zur Begrüßung hat sie Kopf weggedreht.

Dann ist sie 10 Minuten nur auf dem Schoß ihrer Mutter gesessen. Blickkontakt hat sie vermieden. Nur dem angebotenen Stück selbstgebackenen Aprikosenkuchen konnte sie nicht widerstehen. Der hat ihr gut geschmeckt.

Danach durfte ich ihr sogar das Wasser reichen. Mit dem Trinkbecher hat sie ein kleines Spiel veranstaltet und sich immer wieder einschenken lassen. Aber immer noch kaum ein Lächeln.

Nach einer guten halben Stunde erst hat sie so richtig bemerkt, wo sie ist: Auf dem Wasserspielplatz. Was gibt es da nicht alles zu entdecken! Ganz zögerlich hat sie die Hand genommen und ist die ersten Schritte mit mir gegangen.

Bald aber sind wir Hand in Hand den Bachlauf entlang gegangen und haben geschaut, wo die Fische sind. Am Ende des Tages habe ich sogar noch ein Bussi bekommen – eine Besonderheit, sagten die Eltern!

Gott hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde – so sagt es der Lehrtext zur Tageslosung heute (2. Petrus 3,9). Ich glaube tatsächlich, das ist mit Buße gemeint: Nicht in seinen Gefühlen und Ängsten verharren, sondern sich dem Leben öffnen und den reichen Möglichkeiten, die es zu bieten hat – an der Hand eines liebenden Gottes.

Wobei ich sehr wohl weiß, dass ich nicht Gott bin, sondern nur ein liebender Großvater!



Geistliches Tagesthema vom 27. August

Ich muss wegen meiner gesundheitlichen Einschränkungen regelmäßig zur Behandlung. Mit dem Therapeuten habe ich dabei ein gutes Verhältnis. Er kennt mich und meinen Beruf und teilt meine Einstellung. Immer wieder unterhalten wir uns über die verschiedensten Dinge, auch aus dem Glaubensbereich.

Normalerweise bin ich bei der Behandlung sehr pünktlich. Sie tut mir gut, ich freue mich auf die gesundheitliche Besserung und die persönliche Begegnung. Letztens habe ich den Termin aber einfach vergessen. Ich hatte viel um die Ohren und fiel aus allen Wolken, als die Sekretärin der Praxis anrief und fragte, wo ich denn bliebe??? O mein Gott! rutschte es mir heraus. Zum Glück konnten wir zeitnah einen neuen Termin ausmachen.

Mit offensichtlicher Zufriedenheit erzählte mir mein Therapeut dabei folgende Geschichte. Irgendwie hatte wohl auch die Sekretärin mitbekommen, wer und was ich bin. Nach dem Telefonat hat sie jedenfalls ein bisschen spöttisch gesagt: Da hat ihm sein Gott aber nichts genutzt! Allerdings bemerkte der Therapeut auch, dass sie keine Ausfallrechnung geschrieben hat…

 Deutlich grinsend fragt er mich: Ob der liebe Gott da nicht doch ein bisschen geholfen hat??



Geistliches Tagesthema zum 23. August

Die Liebe ist langmütig und freundlich….

Ich habe mir vorgenommen, mich in meiner Auseinandersetzung nicht mehr erbittern zu lassen. Mich überhaupt nicht mehr in irgendwelche Streitigkeiten hineinzwingen zu lassen. Die Zukunft Zukunft sein zu lassen und mich auf die Gegenwart zu konzentrieren.

Es gelingt mir gar nicht schlecht. Langmütig zu sein hat auch etwas für sich. Es tut gut, manche Aufgeregtheiten nicht an sich herankommen zu lassen.

Allerdings macht Langmut nicht freundlich. Mir scheint sogar das Gegenteil richtig zu sein: Nicht nach seinen Gefühlen zu leben, Ängste nicht aufkommen zu lassen, Widrigkeiten zu trotzen – das stärkt zwar die innere Kraft, freundlich macht es aber nicht. Eher im Gegenteil!. Es kostet viel Mühe.

Die Liebe ist langmütig und freundlich… Ich finde beides richtig – nur leben kann ich es nicht.

Der Lehrtext vom 22. August kommt mir darum ganz nahe: Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst Hebräer 12,3).

Hilf, Herr, zu einem Leben in deinem Sinn und lass mich nicht matt werden!


Geistliches Tagesthema vom 20. August

Ich habe zurzeit eine langwierige Auseinandersetzung in der Familie. Es ist ein Thema, bei dem es keine Lösung gib. Die Positionen liegen weit auseinander und sind nicht vereinbar.

Eigentlich sollte man über das Thema schweigen. Es hat keine aktuelle Bedeutung, ist eher langfristig wichtig. Aber so schwer es ist, sich an einer juckenden Stelle nicht zu kratzen – obwohl man weiß, dass es dadurch nicht besser sondern schlimmer wird – so schwer ist es, die Sache beiseite zu schieben. Immer wieder kommt sie hoch und führt zu Ärger – und von Mal zu Mal wird er schlimmer.

Gestern sind mir die Gedanken des Paulus zur Liebe untergekommen. Im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes stehen sie. „Die Liebe ist langmütig und freundlich ….“ Weiter komme ich gar nicht mit dem Lesen. „Langmütig und freundlich“, nein, das bin ich nicht. Im Gegenteil! Je größer die Verbitterung wird, desto geringer wird die Freundlichkeit. 

Liebe ich also gar nicht? Die Frage trifft mich.

„Die Liebe ist langmütig und freundlich…“ Vielleicht sollte ich mehr über diesen Satz meditieren, statt viele Streitgespräche zu führen!

#

Geistliches Tagesthema vom 16. August

Wir erleben einen Klimawandel: Hitzeperioden, Unwetter, Überschwemmungen, Versteppung der Landschaft, alles nimmt zu – und wir streiten darum: ist diese Entwicklung Menschen gemacht oder eine Entwicklung im deutlich langsameren Kalender der Natur?

Die Anzeichen häufen sich, dass das eine künstlich erzeugte Entwicklung ist. Immer mehr Wissenschaftler sagen: Daran sind wir Menschen und unsere ausufernde Lebensweise schuld.

Ich teile diese Sicht – und stehe zugleich staunend vor der Losung für den heutigen Tag. „Ich, der Herr, behüte den Weinberg und begieße ihn immer wieder. Damit man ihn nicht verderbe will ich ihn Tag und Nacht behüten“ (Jesaja 27,3).

Kann man das heute noch glauben?Es stimmt schon: Gott hat Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht gemacht – aber beschützt er wirklich die Natur? Vielleicht noch gegen uns Menschen? Wie wird das aussehen? Was wird er tun?

 Ich weiß gar nicht, ob ich das wissen will. Der Gedanke ist mir jedenfalls ein zusätzlicher Impuls für ein Klima schonendes Leben!


Geistliches Tagesthema vom 13. August

Was tue ich eigentlich, wenn ich bete?

Ich setze mich still hin und zünde eine Kerze an. Ich sammle meine Gedanken und versuche, innerlich still zu werden. Ich glaube, dass Gott mich sieht und hört, auch wenn ich das nicht beweisen kann.

Ich sage Gott, was mich beschäftigt, auch wenn er das längst weiß. Es ist trotzdem wichtig, ihm zu sagen wie ich die Dinge sehe. Dann spüre ich nach, ob sich etwas in mir regt. Dinge fallen mir ein: Aus der Bibel. Von anderen Menschen. Aus der Kirchengeschichte und der Gegenwart. Ich überlege, ob irgendetwas zu dem passt, was ich gesagt habe. Dann treffe ich eine Entscheidung, was ich tun will.

Ich kann nicht beweisen, dass Gott mit mir spricht. Ich kann nicht einmal beweisen, dass er mich hört. Ich setze das voraus – und ich handle, als ob das gegeben wäre.

Es tut mir gut, so zu handeln. Ich fühle mich nicht allein und erlebe immer wieder ganz überraschende Dinge. Und dann lese ich das Psalmwort: „Er erquicket meine Seele“ (Psalm 23,3; Tageslosung vom 13. August) – und fühle mich zutiefst verstanden.



Geistliches Tagesthema vom 9. August 2019

Eine Zusammenfassung unseres christlichen Glaubens bietet der neutestamentliche Bibelvers, der der heutigen Losung beigestellt ist. Im Galaterbrief heißt es: Wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die wir hoffen (Galater 5,5).

Wir – das zeigt, es geht um eine Gemeinschaft. Glauben allein geht eigentlich nicht;

warten – dieses Wort zeigt: Es steht noch etwas aus. Die Gegenwart ist nicht das Ziel;

im Geist – dieser Begriff macht deutlich, dass der Entschluss und seine Umsetzung nicht nur Menschenwerk ist. Wir können – und wollen(!) – es nicht allein tun;

durch den Glauben – ohne Gottes Geistkraft geht es nicht. Aber ohne menschliches Mitwirken geht es auch nicht. Glauben meint die Bereitschaft des Menschen, sich auf Gott einzulassen;

auf die Gerechtigkeit – das ist ein eigenwilliges Wort hier. Es sagt etwas über das momentane Leben, das als nicht gerecht empfunden wird. Interessant ist, dass hier nicht von Liebe, Frieden oder dem Reicht Gottes gesprochen wird;

auf die wir hoffen – mit dem letzten Satzteil lässt uns Paulus in sein Herz schauen. Er leidet unter der ungerechten Gegenwart und wünscht sich, dass dieser Zustand schnell beendet wird.

 Mir gefällt dieser Vers und ich mag mich gerne mit anderen Menschen zusammen auf diesen Weg einlassen!


Geistliches Tagesthema vom 6. August

Am frühen Morgen fällt mir ein, dass ich gestern vergessen habe, den Fahrradakku aufzuladen! Aber er schafft noch den Berg zum Schwimmbad hinauf.

Vor dem Schwimmen habe ich heute Respekt: Gestern ist es länger geworden, es gab auch nicht wenig Wein – aber ich kann meine Bahnen problemlos ziehen.

Heute sind auch ganz wenige Leute da! Das Wasser hat genau die richtige Temperatur – und gegen Ende meiner Zeit bescheint die Sonne einen Teil des Beckens. Man kann ihre Wärme sogar im Wasser spüren.

In der Dusche erzähle ich meinem Bahnnachbarn von meinen Bedenken und meinen Erfahrungen – und er erzählt, dass er schon 13 Jahre einem Weinbauer bei der Ernte hilft – einfach so. Der macht auch einen sehr guten Silvaner…

Bei der Heimfahrt sehe ich im Morgendunst das Zifferblatt auf dem Kirchturm. Ich komme genau zur richtigen Zeit heim.

Es gibt Tage, da passt einfach alles. Sie fühlen sich an wie Urlaub. Sie sind Geschenke. Oder wie sagt es die heutige Losung: Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten (Jesaja 50,8).

Danke, guter Gott! 



Geistliches Tagesthema vom 2. August

Bei den Losungen vom 1. August habe ich diese Worte gelesen:

„Meine Sehnsucht nach Geborgenheit strecke ich dir entgegen wie meine Hand, und ich werde gewiss: Du wirst antworten. Des Nachts, wenn die Stunden endlos werden, wenn meine Gedanken sich jagen und ihren Rhythmus hämmern im Gehirn, dann falten sich meine Hände, zaghaft zuerst, bald fest. Dann fange ich an, mich zu verlassen. Ich spüre, dass ich versinke in dir, meine Gott, und aufgefangen bin in unsagbarem Frieden.“

Drei Dinge machen mir diese Worte von Manfred Fischer deutlich.

Erstens: Auch andere Menschen haben schwere Nächte. Es ist im Leid tröstlich, Verbündete zu haben.

Zweitens: Diese Menschen finden ebenfalls Trost im Gebet. Beten ist heute nicht leicht kommunizierbar. Positive ähnliche Erlebnisse steigern daher den Mut.

 Und drittens: Wenn die Seele geplagt ist findet man Trost offensichtlich am ehesten, wenn man „sich verlässt“. Dass der Begriff „sich verlassen“ nicht nur auf einen anderen Menschen ausgerichtet ist, sondern auch ein konkretes „von mir weggehen“ meint, das war mir neu – aber ich verstehe es unmittelbar und teile es.



Geistliches Tagesthema vom 30. Juli 2019

Während seines Studiums in Paria soll Ignatius von Loyola an jedem Sonntag zur Beichte und zur Kommunion gegangen sein. So habe ich es vor Kurzem in einem Buch über ihn gelesen.

Im ersten Augenblick war ich darüber irritiert und befremdet. Jeden Sonntag beichten – was soll das?! Einem Evangelischen ist die Beichte eine eher fremde Institution.

Dann kam ich ins Nachdenken.

Jede Woche mein Verhältnis zu Gott überdenken. Jede Woche vor mir selbst und vor Gott mein Denken, Reden und Tun in Frage stellen. Regelmäßig bedenken, was Gott wohl von mir erwartet und ob ich dem entspreche. Und jede Woche hören: Deine Sünden sind dir vergeben! Das hat schon etwas.

Zumal Ignatius das nicht getan hat, weil es von ihm verlangt wurde. Er hat mit seinen Professoren sogar Ärger bekommen, weil er Veranstaltungen der Universität darüber versäumte. Es war ihm selber wichtig.

Inzwischen sehe ich das Verhalten von Ignatius anders – und ich würde gern mehr Menschen kennenlernen, denen ihr Verhältnis zu Gott so wichtig ist, dass sie deswegen sogar Ärger mit anderen Menschen in Kauf nehmen.


Geistliches Tagesthema vom 26. Juli

In die S-Bahn kam ein junger Mann: groß, kräftig, tätowiert, eine Kappe auf dem Kopf, das unvermeidliche Handy am Ohr. Er sprach laut in das Gerät. Er war spürbar angespannt.

Darf ich Dir erzählen, was sie jetzt wieder gemacht hat? … Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll: Sag ich etwas, ist es nichts. Sage ich nichts, bin ich gleichgültig!? …. Immer hat sie Recht. Ich mache anscheinend gar nichts richtig ….Ja – aber hat Deine Freundin schon einmal zu dir gesagt: Pack deine Sachen und verpiss Dich?!? …

Ich habe zugehört. Ich konnte nicht anders. Er tat mir Leid.

Und dann habe ich etwas gemacht, was ich noch nie gemacht habe. Ich habe ihn beim Rausgehen direkt auf das Gespräch angesprochen. Er war nicht erstaunt. Nicht verärgert. Nicht verwundert. Es war völlig in seinem Kummer verfangen.

Unser Gespräch dauerte keine Minute. Dann ging jeder seiner Wege im Getümmel des Hauptbahnhofes.

 Ob ich das Richtige gesagt habe? Ich weiß es nicht. Aber ich habe ihm Verständnis und Mitgefühl gezeigt. Manchmal ist das schon etwas.


Geistliches Tagesthema vom 23. Juli

Ich bin aus dem Urlaub zurück. Es war sehr schön. Ich bin allerdings kein neuer Mensch geworden. Der Alltag ist so schnell wieder da! Ich habe mit einer Person eine Auseinandersetzung. Wir haben darüber schon öfter gesprochen, aber keine Lösung gefunden.

Es liegt ein wirkliches Problem vor. Wir haben keinen Fehler gemacht, den wir wieder gut machen könnten. Es handelt sich um kein Missverständnis, das sich aufklären ließe. Es gibt keine Möglichkeit, die Interessen zu versöhnen: Beide sind begründet. Aber sie sind unvereinbar: Entweder bekommt die Person, was sie möchte oder ich. Beides geht nicht. Auch eine Ausführung nacheinander ist nicht möglich. Es gibt keinen Vergleich. Einer muss verzichten.

Aber wer? Und wie? Im Losungsheft habe ich gestern einen Liedvers gelesen:

Zeig mir mit deinen Gaben den Weg durch diese Welt.

Gib, dass ich Hoffnung habe, die fest an Dich sich hält,

die das, was doch zerrinnt,

verlässt im Weiterschreiten

und durch der Gnade leiten

das Bleibende gewinnt (J.A.Comenius/Th.Gill).

 

Liegt hier die Lösung verborgen? Ist das Problem weltlich und deshalb vergänglich? Gibt es auch Dinge, die die Ewigkeit betreffen – und sollte ich mir lieber darum Gedanken machen?

 

Ich bin noch nicht so weit, einfach zu verzichten. Aber ich will diesen Ansatz bedenken!



Geistliches Tagesthema vom 14. Juni

In der Natur kann man es zurzeit beobachten: Die Früchte im Garten reifen heran. Aus der Blüte entwickelt sich die kleine Himbeere oder Erdbeere. Erst wird sie groß, dann ändert sie ihre Farbe, wird weich und schließlich reif und süß.

Kann man diesen Ablauf auch auf das Menschenleben übertragen? Erobert sich auch der Mensch erst seinen Platz in der Welt, wird groß – um dann, in der Phase des Reifens, „genießbar“ zu werden? Braucht es solche Zeiten, in denen äußerlich wenig geschieht, innerlich dagegen umso mehr??

Mir gefällt diese Vorstellung. Ich erlebe auch die Zeit des Ruhestandes so: Es passiert nicht mehr sehr viel. Das, was geschieht, ist aber umso wichtiger. Ich will nicht mehr kämpfen und mich anstrengen. Ich will mich Gott überlassen, weich und nachgiebig werden. Ich möchte ein angenehmer Mensch in seinem Reich werden….

Dazu soll auch der Urlaub beitragen, der in diesen Tagen beginnt. Abschalten, nichts mehr leisten, wahrnehmen, Zeit haben, geschehen lassen. Vielleicht sind solche Zeiten besonders wichtig im Leben.

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Reifezeit. Genießen Sie sie, wann und wo auch immer, gerade wenn sich äußerlich scheinbar nichts tut. Gott ist am Werk!



Geistliches Tagesthema vom 11. Juni  

Christus möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung. So lautet der Lehrtext aus dem Neuen Testament zum 11. Juni. Was für ein schöner Vers aus dem Philipperbrief (3,10)!

Es geht nicht nur um mein Leben. Es gibt Wichtigeres als meine eigene Befindlichkeit. Das ist das erste, was in diesem Vers steckt. Wer auf Christus schaut, der sieht über sich hinaus. Der Blick auf Jesus gibt dem Leben einen weiten Horizont.

An Jesus ist aber nicht nur interessant, was er zu seinen Lebzeiten gesagt und getan hat. Seine Worte und Taten sind etwas Besonderes. Sie unterscheiden sich sehr von dem, was die meisten Menschen selber sagen oder tun. Aber es geht nicht nur um das Leben in dieser Welt – es geht um die Kraft von Jesu Auferstehung.

Die Auferstehung weist über Jesu Leben auf dieser Erde hinaus. Sie ist das Zentrum unseres Glaubens. Mit ihr bekommt unser Leben einen neuen Aspekt. Es gibt nicht nur das Leben auf dieser Welt mit seinem Höhen und Tiefen. Es gibt noch etwas ganz anders, wichtigeres. Es gibt die Verheißung eines neuen, ewigen Lebens in der Gegenwart Gottes.

In die Ewigkeit Gottes ist uns Jesus mit seiner Auferstehung voraus gegangen. Darum ist er das Zentrum unseres Glaubens. Darum ist er so wichtig. Darum sagen wir: Christus möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung.

Diesen Glauben drückt sehr schön ein Liedvers von J.A. Comenius und Th. Gill aus, der den Losungen beigegeben ist.

Stund auf Stunde, Tag auf Tag schwinden und vergehen,

und auch wir wie Schatten fliehn, eh wir’s uns versehen.

Der du unsre Jahre weißt, Herr, den Weg, das Ende,mach uns weise und nimm uns einst in deine Hände.




Geistliches Tagesthema vom 7. Juni 2019

Ganz besonders ist die Losung vom vergangenen 7. Juni. Sie nimmt etwas in den Blick, was man sonst eher im Buddhismus oder in religiös neutralen Achtsamkeitshaltungen suchen würde.

„Hüte dich nur und bewahre deine Seele …“ beginnt sie. Und der Lehrtext ergänzt: „Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!“

Es gibt offensichtlich unterschiedliche Zeiten im Leben eines Menschen. In manchen Zeiten muss man sich um andere Menschen kümmern, in anderen um sich selber. In den einen Zeiten muss man sich anstrengen, etwas zu erringen – in den anderen, es auch zu behalten. Zuzeiten braucht es vollen Einsatz für eine Sache, dann wieder steht die eigene Seele im Mittelpunkt.

Die Frage ist jetzt nicht: Was ist besser? Das Eine oder das Andere?

Die Aufgabe des Menschen ist auch nicht, sich das herauszusuchen, was ihm besser gefällt.

Wer an Gott glaubt, der nimmt sich selbst zurück und tut, was Gott sagt, was auch immer das gerade ist. Er tut es im Vertrauen darauf, dass Gott es gut mit ihm oder ihr meint und nichts sagt, was dem Menschen schadet. Ein glaubender Mensch tut Gottes Willen sogar dann, wenn er ihn nicht versteht – weil er Gott mehr vertraut, als seinem eigenen Verstand.

Eine solche Lebenshaltung ist in einer Zeit nicht modern, die die Selbstentfaltung und den freien Willen des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Aber ich glaube, dass solcher Gehorsam gegenüber Gott heilsam und gut ist – am allermeisten für den Menschen selber.

Probieren Sie es doch mal aus!


Geistliches Tagesthema vom 4. Juni 2019

Meine Frau und ich waren ein paar Tage wandern. Von Station zu Station, den Rucksack auf dem Rücken. Das gefällt uns! Dieses Mal hatten besonders viele persönliche Begegnungen.

Da waren die drei Handwerker am Himmelfahrtstag. In unserem Reiseführer entdecken sie ihr Geburtshaus und zeigen uns, hinter welchen Fenstern sie gewohnt haben.

Ein Hotelier erzählt, wie er vor 42 Jahren das Hotel übernommen hat, obwohl er eigentlich Kunstschlosser war. Er wird es führen, solange es geht - obwohl er bei einem Unfall einen Fuß verloren hat (der wieder angenäht wurde) und auch schon einen Schlaganfall hatte. Er freut sich, dass er heute Abend mit seiner Tochter gemeinsam Musik für die Gäste machen kann.

Ein Gastwirt beklagt die Schwierigkeiten seines Berufes. Die politische Gemeinde fördert das Sportheim mit 800.000 Euro, das ihm Konkurrenz macht – und keines seiner vier Kinder will das wunderschöne alte Haus mit Garten weiter führen. In ein paar Jahren wird er zusperren.

Die Zimmerwirtin fährt uns am Abend zum Essen, weil es in dem Ort kein Wirtshaus mehr gibt. Als im ersten Gasthaus „geschlossene Gesellschaft“ ist, fährt sie uns zum nächsten – und holt uns auch wieder ab. Mit Mühe nimmt sie ein paar Euro dafür…

Der Kellner lässt uns die verschiedenen Weine des Hauses probieren und erzählt von den Besonderheiten des Weinbaus bei seinem Chef.

 

Ich danke Gott für die Einblicke in so unterschiedliche Leben – und dafür, dass es so viele nette Menschen auf der Welt gibt. Warum übersieht man sie nur im Alltag so oft?!


30. Mai, Himmelfahrt

 

Meine Frau und ich gehen an Himmelfahrt für ein paar Tage wandern. Meine Tochter geht mit ihrem Freund auch wandern. Viele Menschen ziehen an Himmelfahrt durch die Lande, mehr oder weniger besinnlich. Zudem gibt es viele Gottesdienste im Grünen.

Was ist die Ursache für diesen Aufbruch, fragte mich meine Tochter? Warum gerade an Himmelfahrt? Weil es so in der Bibel steht! habe ich geantwortet, eher scherzhaft als wissend.

Bei Lukas nun lese ich, dass Jesus die Jünger nach Betanien mitgenommen hat, knapp drei Kilometer außerhalb von Jerusalem. Dort wurde er in den Himmel aufgenommen und die Jünger kehrten wieder nach Jerusalem zurück. Sie waren also schon eine gute Stunde unterwegs…

Ob die Neigung, an Himmelfahrt ins Freie zu gehen, wirklich mit Jesu Spaziergang zusammenhängt, weiß ich tatsächlich nicht. Verkehrt ist es aber nicht. Frische Luft tut gut und Bewegung erst recht. Vielleicht gibt die andere Umgebung auch Raum für ein besonders Erlebnis.

 Ich wünsche es Ihnen…



28. Mai 2019

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Gott unseres Heils!

Die Losung vom 28. Mai trifft überhaupt nicht meine Stimmung. Ich habe eine berufliche Niederlage erlitten. Ich dachte, Menschen würden mich schätzen – und es stellte sich heraus: Ich war nur Mittel zum Zweck. Ich war nur gut genug, eine Lücke zu stopfen. Jetzt werde ich nicht mehr gebraucht.

Wie oft geht es Menschen so?! Das passiert im Leben immer wieder! Nur glaubende Menschen meinen manchmal, solche Erfahrungen müsste ihnen der „liebe Gott“ ersparen. Er müsste sie vor schlimmen Handlungen bewahren – und wenn er es nicht tut, sind sie ihm böse. Dann können sie nicht mehr „dem Herrn frohlocken und jauchzen“.

Aber wenn Gott seine Gläubigen vor allen Niederlagen bewahren, ihnen alle Ungerechtigkeit ersparen und alles zum Guten wenden würde, wo bliebe dann die Freiheit? Freiheit beinhaltet immer auch die Entscheidung gegen etwas. Die würde dann durch eine höhere Macht ausgehebelt.

Ich weiß nicht, wozu mir meine Niederlage dienen soll, aber ich will mir von den Menschen, die sie mir beigebracht haben, nicht das Gotteslob ersticken lassen. Das wäre denn doch zu viel der Ehre für sie.

 

Darum: Lob und Preis dem Gott, der mich ins Leben gerufen hat und zu seiner Ewigkeit geleiten wird. Er soll mich den Weg führen, den er bestimmt hat. Ich werde mit ihm gehen und ihn loben – nicht immer aus vollem Herzen, aber doch!



24. Mai

Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue. Dieser klare Satz aus dem vierten Buch Mose ist die Losung für den heutigen 24. Mai 2019.

So klar der Satz ist, so falsch ist zumindest sein zweiter Teil. Zwar lügt Gott nicht – aber gereut hat ihn einiges in seiner langen Geschichte mit den Menschen.

Hier ein paar Beispiele:

1. Mose 6: Als aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden …, da reute es den Herrn, dass er die Menschen gemacht hatte.

2. Mose 32,14: Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk angedroht hatte.

1. Samuel 15, 11: Gott sagt: Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe.

Mir hat immer gefallen, dass wir einen lebendigen Gott haben und keinen „unbewegten Beweger“ wie bei den alten Griechen. Daran will ich festhalten, auch wenn in einer einzelnen Bibelstelle etwas anders gesagt wird. Wenn nämlich selbst Gott etwas reut, dann dürfen auch wir Menschen Fehler machen – vorausgesetzt, wir wollen es danach auch wieder gut machen.

Das gilt – auch wenn wir Menschen niemals die Kraft Gottes haben werden, der sich für die Menschen schließlich sogar ans Kreuz schlagen ließ. 




21. Mai 

Ein Schluck Wasser oder Bier vertreibt den Durst, ein Stück Brot Hunger, Christus vertreibt den Tod. – Dieser markante Satz von Martin Luther ist den Losungen vom 21. Mai beigegeben.

Der Reformator ist unübertroffen in seiner Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen. Was Erlösung heißt, wie Freiheit vom Gesetz der Sünde ausschaut, das beschreibt er mit treffenden Bildern.

Luthers Gedankengang ist ein Dreischritt: Christus ist von den Toten auferstanden. Der Tod hat also offensichtlich seine unbeschränkte Macht verloren. In der Verbindung mit Christus stehe auch ich nicht mehr unter seinem Diktat. So die Überzeugung Luthers.

In der Praxis haben aber trotzdem viele Menschen große Schwierigkeiten, die Gewissheit des Glaubens in das tägliche Leben zu übernehmen. Sie verhungern trotz des Angebots des Lebens.

 

Hier gibt es noch viel zu tun - und dabei möchte ich mithelfen.


17. Mai

In den Losungen vom 17. Mai wird  eine interessante Frage aus dem biblischen „Brief an die Hebräer“ aufgegriffen. Es heißt dort: Sind die Engel nicht alle dienende Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil erben werden (Hebr. 1,14)?

Bei den Menschen finden sich beide Gruppen: Solche, die an Engel glauben und solche, die das nicht tun. Das ist bei einem Phänomen nicht verwunderlich, das man nicht einfach „herzeigen“ kann.

Aber auch die „Nicht-Gläubigen“ können über diese Aufgabenbeschreibung für die Engel staunen: Engel sollen für die tätig werden, die das Heil erben werden. Das ist ein faszinierender und einleuchtender Arbeitsauftrag – auch wenn man nicht so einfach sagen kann, wer genau die Zielgruppe ist!

Und zur Frage, ob es Engel nun gibt oder nicht, zitiert das Losungsbuch den bekannten englischen Baptistenprediger Spurgeon (1834 – 1892): Wir können die Engel nicht sehen. Aber es ist genug, dass sie uns sehen können.

 

Dem ist nichts hinzuzufügen.



14. Mai 2019

Von der Sorge um Schutz und Hilfe erzählen die heutigen Losungstexte. Die Bedürftigkeit von Menschen wird hier wahrgenommen und in unterschiedlicher Weise beantwortet. Menschen kümmern sich.

Wie wohltuend ist das!

In unserer Zeit spüre ich zunehmend das Bedürfnis, alles selber bestimmen zu können, autonom zu sein, nicht auf andere Menschen angewiesen zu sein. Das geht vom Individualverkehr, dem kaum beizukommen ist, über menschliche Beziehungen bis hin zu Krankheit und Tod. Kaum ein Mensch ist noch bereit, sich anderen Menschen anzuvertrauen.

Vielleicht kann die Bereitschaft der Menschen aus den Losungen, sich um andere zu kümmern, uns ermutigen, ebenfalls mehr zu vertrauen. Das würde uns sicher gut tun.


 


10. Mai 2019

Kommt, Kinder, lasst uns wandern, wir gehen Hand in Hand;
eins freuet sich am andern in diesem wilden Land.
Kommt, lasst uns kindlich sein,
uns auf dem Weg nicht streiten; die Engel selbst begleiten
als Brüder unsre Reihn, als Brüder unsre Reihn.

Dieser Liedvers von Gerhard Tersteegen ist als Gebet der heutigen Tageslosung zugeordnet. Das Lied, abgedruckt im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 393,7, beschreibt das Leben von Christenmenschen als einen Weg durch raue Verhältnisse. Aber an der Hand Gottes und im Vertrauen auf seine Verheißungen führt es zum Ziel.

Auch wer die Bundesrepublik im 21. Jahrhundert nicht als "wildes Land" empfindet, ahnt doch, was gemeint ist. Und kindliches Vertrauen haben und Gemeinschaft suchen sind auch in unserer Zeit noch erstrebenswerte Tugenden. Schön, dass sie so eine Verheißung haben.


Die zeitliche Lücke in den Gebetsfrüchten ist der großen Pause geschuldet, die die homepage aus verschiedenen Gründen erfahren musste. Ich hoffe, in der Zukunft wieder mehr Zeit für solche Besinnung zu haben.



Gebetsfrüchte, 22. Januar 2019

Ich habe wieder eine neue Krankheit – und sie macht mir ganz schön zu schaffen. Die Beweglichkeit ist eingeschränkt, ich muss auf Behandlungstermine warten, die Schmerzen sind nicht wenig.

Ist das gerecht? Habe ich nicht schon so viel aushalten müssen? Muss das jetzt auch noch sein?

Ich weiß nicht, was Gott sich dabei gedacht hat. Ich glaube nicht an eine Strafe. Ich glaube nicht an eine erzieherische Maßnahme. Ich glaube nicht an ein Versehen. Die Krankheit gefällt mir nicht, aber ich zweifle nicht an Gottes Liebe – von manchen dunklen Stunden einmal abgesehen.

Krankheit gehört zu unserem Leben. Aber sie trennt nicht von Gott. Die Verheißung ewigen Lebens gilt mir immer noch, auch wenn ich krank bin. Der Weg dahin ist halt etwas mühsamer. Aber meine Vorfahren hatten ein viel schwierigeres Leben als ich und in vielen Teilen der Welt gilt das heute noch. Ich habe keinen Anspruch auf Einfachheit.

Darum: Danke, Gott, für Deine Verheißung, Gott. Sie steht über allem.




Gebetsfrüchte, 17. Januar 2019

„Warum hat Hansen während seines ganzen Lebens kaum etwas von der großen Kraft in sich gespürt? Vielleicht, weil er sich allzu sehr auf die Welt eingelassen hatte? Weil er zu stark verstrickt gewesen war in die Geschehnisse des äußeren Lebens? Weil er seine Klugheit zu ernst genommen hatte? Denn mit Klugheit kann man Brücken und Hochhäuser bauen, man kann Professor werden oder ein erfolgreicher Filmemacher – Liebe und Mitgefühl aber brauchen keine Klugheit, und ist nicht ein gutes Herz viel wertvoller als ein brillanter Kopf?“

Das ist ein kurzer Abschnitt vom Ende des Buches „Dämonen“ von Jürgen Domian. Der Held, Hansen, gerät in große Gefahr. Fast hätte er sich selbst umgebracht. Aber er besteht seine Gefährdungen. Er setzt sich gegen seine Dämonen durch und findet in das Leben zurück.

Dass das Buch trotzdem tragisch endet mag der Dramaturgie geschuldet sein. Ein Ende mit Schrecken ist eben doch eindrücklicher und verkaufsfördernder, als eine gelernte Lebenslektion. Mich aber hat es fasziniert, dass ein Gegenwartsautor zum selben Ergebnis kommt, wie das 2000 Jahre alte Buch der der Bücher, die Bibel: „Die Liebe aber ist die größte unter ihnen“ (1. Kor. 13,13). Der Liebe zu vertrauen und ihr entsprechend zu leben ist eine Herausforderung für jeden Tag.




16. Januar 2019

Ein Mann will sterben. Er ist nicht krank, weder am Körper noch an der Seele, er hat keine wirklichen Probleme, weder mit sich noch mit anderen Menschen, er hat das Leben einfach satt. Er erwartet sich nichts mehr davon. Weder die gute Beziehung zu seinem Sohn noch das wahrhaftige Verhältnis zu einem Freund halten ihn von seinem Entschluss ab – und mit Frauen hat er auch abgeschlossen. Also beschließt er, in sein Lieblingsland nach Nordschweden zu fahren und am 21. Dezember, an seinem 60. Geburtstag, eine Flasche Whisky zu trinken und sich dann nackt in den Schnee zu legen…

So beginnt das Buch „Dämonen“ von Jürgen Domian, das ich heute Nacht angefangen habe zu lesen.

Der Mann kann mit Gott und Glauben nichts anfangen. Er sieht das Leben von einer anderen Seite. Darum würde ihm auch die heutige Losung nichts sagen. Aber zu mir haben die Worte an diesem Morgen gesprochen. „Wenn dich dein Bruder oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lass uns hingehen und anderen Göttern dienen, so willige dich nicht ein“ (5. Mose 13, 7.9).

Es kann sein, dass einen die nächsten Menschen in die Irre führen wollen. Unbedingt gehören aber in die obige Aufzählung noch die eigenen Dämonen hinein… Martin Luther hatte schon Recht: Die Hölle ist in der eigenen Brust.



30. Dezember 2018

Ich sitze in diesen Tagen zum Gebet oft vor der Krippe. Noch sind alle da: Maria, Josef, das Kind in der Krippe, die Hirten. Die Waisen sind bereits auf dem Weg durch das Wohnzimmer. Bald werden sie an der Krippe eintreffen und sich mit den Anderen versammeln.

Dann aber wird es blitzschnell gehen: Der Engel wird Joseph erscheinen und ihn von den Mordplänen des Herodes unterrichten – und noch in derselben Nacht wird Joseph aufstehen, das Kind und seine Mutter nehmen und nach Ägypten fliehen. Dann hat es mit der Beschaulichkeit ein Ende. Dann kommt es darauf an, schnell und entschlossen zu handeln. Die Familie muss überleben. Alles andere muss zurückstehen.

Wie unterschiedliche Phasen es doch im Leben von uns Menschen gibt. Manchmal haben wir Zeit ohne Ende, können den Dingen in allen Richtungen nachsinnen. Dann wieder kommt es nur auf den nächsten Schritt an. Allein das nackte Überleben ist wichtig.

Beides, Herr, kommt offensichtlich aus Deiner Hand. Lass mich mein Leben als Ganzes annehmen und tun, was Dir jeweils wohl gefällt.



20. Dezember 2018

Eigentlich wollte ich meinen Hausarzt und seine Verordnung kritisieren. Mein Physiotherapeut hielt das Schmerzmittel, das er mir verschrieben hatte, für viel zu stark und hatte ein deutlich schwächeres Mittel empfohlen.

Das könne ich schon auch nehmen, meinte mein Hausarzt. Es habe nur eine Nebenwirkung, die sich mit einem anderen meiner Medikamente nicht gut vertrage. Deshalb habe er sich für das stärkere, aber in diesem Fall gefahrlosere Mittel entschieden.

Ich war beschämt und erfreut zugleich. Ich erkannte nicht nur das höhere Wissen meines Arztes – ich spürte auch seine stille Fürsorge für meine Gesundheit.

Wie oft tun Menschen etwas, dessen Bedeutung man gar nicht gleich erkennt... Sagen wir nicht auch, dass Gott im Himmel so verborgen wirkt??? 


13. Dezember 2018

Fast 35 Jahre war ich Pfarrer in der evangelischen Kirche, über 20 Jahre benutze ich das neue Gesangbuch – und immer noch gibt es sogar Adventslieder, die ich nicht kenne. Aus einem davon, aus dem Lied „Gott sei Dank durch alle Welt“ (Evang. Gesangbuch, Lied Nr. 12), stammt das heutige Gebet in den Losungen.

Beim Nachsinnen über die Worte ahne ich, warum das Lied eher unbekannt geblieben ist. Jesus wird darin als Herr der Welt gesehen, der kommt um die Menschen und die Welt zu erlösen – und nicht als kleines Kind in der Krippe, das so unbegreiflich süß ist. 

Entsprechend auch die Bitte an ihn am Ende: „Richte du auch eine Bahn, dir in meinem Herzen an.“

Ich bitte einen Starken mich zu stärken – schade, dass solches Verhalten so ungewöhnlich geworden ist. 


 

5. Dezember 2018

Albert Einstein schreibt in seinem sogenannten Gottesbrief, dass das Wort "Gott" ein Zeichen für die Schwäche des Menschen ist. 

Diese Erkenntnis war einem Bieter fast 3 Millionen Dollar wert. Für diesen Betrag wurde der Brief am 4. Dezember versteigert.

Aber wer ist  stärker: Einer, der seine Schwäche erkennt und Hilfe sucht - oder einer, die seine Schwäche leugnet und ignoriert? 

Wenn ich schwach bin, bin ich stark, sagt der Apostel Paulus dazu. 

Auch wenn es paradox klingt: Mir ist diese Form von Schwäche lieber, als eine eingebildete Stärke.