Geistliche Begleitung

Die Seele stärken lassen. Vertrauen einüben


Auf dieser Seite finden Sie Gebets- oder Lesefrüchte

oder sonstige Erkenntnisse aus meinem Glaubensleben, 

die mir wichtig geworden sind. 

Sie sind herzlich eingeladen, darauf zu reagieren.

 

Geistliches Corona Tagebuch, 16. Tag – 1. April 2020

Was für ein hoher Maßstab! Man soll im ganzen Volk nicht mehr die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens hören (Tageslosung). In dieser Zeit der Einschränkung des Alltagslebens, der steigenden Infizierungsraten und zunehmenden Todesfälle kann man sich so eine Situation überhaupt nicht vorstellen.

Ob es jemals Wirklichkeit wird? Auch wenn die Pandemie vorbei ist, werden die Menschen wohl immer etwas zu klagen haben. So sind wir.

 Gott macht trotzdem diese Verheißung. Er will sich freuen an seinem Volk. Es soll ihm gut gehen. Wollen wir uns nicht daran beteiligen? Über den Moment hinaussehen. Nicht alles so tragisch nehmen. Gott und dem Leben etwas zutrauen. Auch einmal etwas schlucken und nicht sofort reagieren? Vielleicht sieht manche Klage am Tag darauf schon anders aus. Niemand muss verschweigen, was ihm auf der Seele liegt. Aber es ist besser, erst mit Gott darüber zu reden und dann mit den Menschen.


Geistliches Corona Tagebuch, 15. Tag – 31. März 2020

Ein besonderes Geschehen spricht der neutestamentliche Text für den heutigen Tag an: Wir werden erbaut „zu einer Wohnung Gottes im Geist“.

Ein befreundetes Ehepaar lässt gerade sein Bad umbauen. Manche Einschränkungen müssen sie in Kauf nehmen, vertraute Lebensweisen umstellen, auf gewohnten Komfort verzichten. Aber sie tun es gerne. Sie freuen sich auf das Ergebnis.

Gilt das auch für unseren Umbau im Geist? Müssen wir warten, bis der Handwerker Zeit hat und kommen kann? Müssen wir auf Möglichkeiten verzichten, die andere selbstverständlich in Anspruch nehmen? Braucht es gewisse Einschränkungen im Alltagsleben?

 Ich meine: Ja! Aber das Ergebnis übersteigt alle Unannehmlichkeiten und gibt uns dann etwas, das der Apostel an anderer Stelle mit der „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ beschreibt. Es lohnt sich, sich darauf auszurichten.


Geistliches Corona Tagebuch, 14. Tag – 30. März 2020

Ich sitze seit vielen Jahren beim Beten und auch bei Tisch auf einem elastischen Kissen. Es hilft mir, aufrecht zu sitzen und entlastet die Wirbelsäule. Ich schwöre auf das Teil und glaube, dass ich vor allem ihm zu verdenken habe, dass meine häufigen Rückenschmerzen praktisch verschwunden sind.

Vor kurzem musste ich eine Biopsie machen lassen. Dabei werden Proben aus der Prostata entnommen. Danach hatte ich sehr lange Probleme mit Blutungen. Mein Arzt verwunderte sich darüber.

 Inzwischen sind die Blutungen weg und ich habe auch die Ursache gefunden: Es war das Kissen. Es baut sehr viel Druck auf den Beckenboden auf. Wie sagte Jesus in anderem Zusammenhang einmal: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott alleine (Lukas 18,19). Es gibt wohl wirklich nichts auf der Welt, dass nur gut ist – und vielleicht hat auch alles eine gute Seite…


Geistliches Corona Tagebuch, 11. Tag – 27. März 2020

Vor allem im Fernsehen regt sich allmählich Widerstand gegen den Umgang mit dem Corona-Virus. Man sorgt sich um die Wirtschaft: Wie lange halten die Betriebe das aus? Man sorgt sich um einzelne Gruppen: Wie bringen die Bauern die Saat aus und die Ernte ein und wer pflegt unsere Nahrung auf den Feldern? Man zeigt Verständnis für die schwierige Lage der Familien mit kleinen Kindern. Es braucht ein Ausstiegsszenario – wo noch nicht einmal die Hälfte der beschlossenen minimalen Karenzzeit um ist.

In der Losung für den heutigen Tag heißt es dazu: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding…. Ich will aber! sagt es. Darauf habe ich ein Recht. Das kannst du mir nicht verbieten! Solche Gefühle vernehmen wir in uns – und ihnen ist schwer beizukommen.

Auf der anderen Seite greifen Schreckensszenarien um sich. Da stürzt die ganze Welt ein. Da bricht die Wirtschaft zusammen. Da werden Dinge absolut gesetzt, die sonst kaum eine Rolle spielen. Ein trotzig und verzagt Ding…!

 Der Glaube setzt gegen Trotz und Angst das Vertrauen auf Gott. Gott meint es gut mit uns – ganz egal, was ich spüre und empfinde. Ich gebe zu: Das ist wirklich nicht einfach. Aber es ist richtig. Seien wir verständnisvoll gegen unsere oft so unvernünftigen Gefühle. Sie gehören zu uns. Aber geben wir ihnen nicht nach. Denn wir gehören zu Gott.


Geistliches Corona Tagebuch, 10. Tag – 26. März 2020

Die Traurigkeit, die aus der Erkenntnis von Gottes Willen kommt, bewirkt auf dem Weg zur Seligkeit eine Umkehr, die niemand bereut – der nicht, der sie vollzieht und auch die nicht, die sie erleben.

Was ist das für ein Satz!

Haben Sie den Lehrtext zur Losung des heutigen Tages darin erkannt?

Ich bin ganz fasziniert von dieser Aussage – auch wenn ich nicht ganz sicher bin, ob ich sie richtig verstehe.

Traurigkeit ist grundsätzlich nicht von Gott. Gott hat die Welt gut geschaffen. Das Leben ist ein wirkliches Geschenk – und wer den Schöpfer und Herrn der Welt in allem erkennt, der wird sich vom Evangelium nicht lösen können und wollen. Wer glaubt ist nicht traurig.

Aber der Mensch ist frei. Er kann sich weigern, Gottes gutem Willem zu entsprechen. Seit den ersten Tagen im Paradies hat der Mensch das auch immer wieder getan. Er ist auf falschem Weg gegangen – manchmal voller eingebildeter Zuversicht – und er hat sich sehr oft nicht leicht etwas sagen lassen.

Wenn nun ein Mensch auf so einem falschen Weg ist … und das dann durch Gott erkennt … und dann umkehrt … dann greift bei ihm und bei denen, die das erleben, eine Freude um sich, die nicht ihresgleichen hat.

 

Was für ein Geschehen! Was für eine Wahrheit!


Geistliches Corona Tagebuch, 9. Tag – 25. März 2020

Alle miteinander bekleidet euch mit Demut. So lautet der Lehrtext für den heutigen Tag, der der Losung beigestellt wurde.

Ich kannte diesen Vers aus dem 1. Petrusbrief gar nicht. Natürlich habe ich die Bibel einmal im Zusammenhang gelesen und dabei auch diesen Vers. Aber aufgefallen ist er mir nicht.

Eine mir bekannte Ärztin hätte sich diesen Vers dagegen wohl gemerkt. Sie hat mir vor Jahren einmal erzählt, dass sie sich in ihrem Studium das Wort „Demut“ an die Tür ihres Zimmers im Studentenwohnheim gepinnt hatte. Jeden Tag wollte sie es sehen und neu darüber nachdenken.

Demut rechnet mit etwas Größerem als man selber ist. Demut weiß nicht Bescheid. Demut sieht das Leben in seiner wahren Größe. Sie spielt sich nicht auf. Sie überhebt sich nicht.

Demut ist nicht angeboren. Mit Demut muss man sich umgeben wie mit Kleidern. Sie ist eine Entscheidung. Ein demütiger Mensch kann Großes vollbringen und bleibt doch bescheiden. Er weiß: Alles ist Geschenk.

 

Lass demütige Menschen um mich sein, Herr – und lass mich einer von ihnen sein.


Geistliches Corona Tagebuch, 8. Tag – 24. März 2020

Es ist nicht schön, isoliert zu sein. Auch wenn man versteht, dass es Sinn macht. Dass es einem letzten Endes zu Gute kommt. Dass dadurch anderen Menschen geholfen wird. Es ist nicht schön, seine Gewohnheiten und Lebensumstände aufgeben zu müssen. Man muss Neues entdecken, will man dabei nicht verzweifeln.

Der dritte Text der heutigen Losungen ist ein Vers aus einem Gesangbuchlied von Philipp Spitta. Ich habe unter der Nummer 374 in unserem Gesangbuch nachgeschlagen und ein Zeugnis aus einer ganz anderen Welt gefunden.

Ich steh in meines Herren Hand // und will drin stehen bleiben; // nicht Erdennot, nicht Erdentand // soll mich daraus vertreiben.

Hier stellt sich ein Mensch der ganzen Welt gegenüber. Alles, was auf Erden zu schaffen macht, alles, was im Leben freut, das ist alles nicht wichtig. Dass ich von Gott angenommen bin – das ist das Einzige, was zählt. Das will er auf keinen Fall aufgeben.

 Ob ich jemals so denken und empfinden kann? Ohne dabei gleichgültig zu werden? Ich weiß es nicht. Aber ich versuche immer wieder, solchem Glauben ein Stück näher zu kommen.


Geistliches Cornona-Tagebuch, Tag 7 – 23. März 2020

Am Mittwochnachmittag vor fünf Tagen war ich mit meiner Frau in der Apotheke und wir sind dann noch ein bisschen gelaufen. Wir kamen am Sportplatz auf dem ERBAgelände vorbei, das so schön gestaltet ist. Eine Gruppe Jugendlicher spielte Basketball – trotz Empfehlungen, auf Abstand zu gehen. Ich habe einen Moment gezögert – dann bin ich hingegangen. Ich habe sie gefragt, ob sie wissen, dass sie eine Ausgangssperre für unser Land riskieren?

Die Antworten zeugten von viel Unverständnis. Sie wollten doch nur ein bisschen Sport machen. Das sei doch nicht verboten. Warum ich gerade sie ansprechen würde? Einer beschwerte sich bei meiner Frau, dass ich mich als „Oberpräsident“ aufspielen würde,,,

Inzwischen hat Bayern eine Kontaktsperre bekommen. Gestern wurde sie auf das ganze Land ausgedehnt. Abstand halten ist das Gebot der Stunde – unter Androhung von Strafen. Ob sie es inzwischen kapiert haben?

 Ich glaube immer noch, dass wir uns gegenseitig helfen müssen, das Richtige zu tun. Nicht von oben herab – aber auch ohne falsche Scheu. Die Gefahr ist nicht zu sehen, nicht zu hören, nicht zu riechen. Aber das Virus ist da. Gemeinsam haben wir eine bessere Chance, ihm zu begegnen. „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“ heißt es in der Bibel.


Geistliches Corona Tagebuch, Tag 4 – 20. März 2020

Seit 290 Jahren veröffentlicht eine christliche Lebens- und Glaubensgemeinschaft aus Sachsen die Herrnhuter Losungen. Sie stehen auch auf dieser Seite.

Drei Jahre im Voraus wird aus einer Sammlung von wichtigen Versen aus dem Alten Testament einen Vers für jeden Tag des Jahres ausgelost. Dem gelosten Vers stellt eine Gruppe von Kundigen dann einen Vers aus dem Neuen Testament zur Seite – und fügt als dritten Text ein Gebet oder Lied aus der Tradition der Kirche hinzu.

Heute ist der 3. Text ein Gebet des großen Theologen Karl Barth vom Anfang des letzten Jahrhunderts. „Herr, unser Gott! Wenn wir Angst haben, dann lass uns nicht verzweifeln. Wenn wir enttäuscht sind, dann lass uns nicht bitter werden. Wenn wir gefallen sind, dann lass uns nicht liegenbleiben. Wenn es mit unseren Kräften zu Ende ist, dann lass uns nicht umkommen. Nein, dann lass uns deine Nähe und deine Liebe spüren.“

 Das Gebet ist getragen von der Lebenserfahrung, dass es Angst, Enttäuschung und Niederlagen für jeden Menschen gibt. Aber sie sind nicht das Ende. Es gibt eine Kraft, die weit über uns hinausreicht. Auf sie besinnen wir uns – neben den schönen Verheißungen für diesen Tag.


Corona Tagebuch, 19.3. 2020 – 3. Tag

Beten – wie geht das? Was soll ich sagen? Wie soll ich mich ausdrücken? Hört Gott mich wirklich?

Das Erste: Es gibt beim Beten keine Etikette. So viele Menschen es gibt, so viele Formen des Redens mit Gott gibt es.

Das Zweite: Es gibt Dinge, die zum Beten helfen. Sich einen Platz dafür einrichten, an dem man sich wohl fühlt. Eine Kerze anzünden. Den Gedankensturm erst einmal laufen lassen.

Drittens: Auf die Erfahrungen anderer Menschen zurückgreifen. Es gibt Formulierungen und Gedankengänge, die haben sich bewährt. So ein bewährtes Gebet ist der Morgensegen Martin Luthers. Er steht im Kleinen Katechismus und wird bald 500 Jahre alt. Mit diesem Gebet ist der Tag gut zu beginnen.

Das Letzte: Im Gesangbuch steht ein Satz von Martin Luther: Wenn Gott dich nicht erhören wollte, würde er dich nicht beten heißen.

Mit diesen Überlegungen kann man gut anfangen.

 Hier noch Luthers Morgensegen.

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, 
durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, 
dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, 
und bitte dich, 
du wolltest mich diesen Tag auch behüten 
vor Sünden und allem Übel, 
dass dir all mein Tun und Leben gefalle. 
Denn ich befehle mich, 
meinen Leib 
und Seele 
und alles 
in deine Hände. 
Dein heiliger Engel sei mit mir, 
dass der böse Feind keine Macht an mir finde. 
Amen.

 Schreiben Sie, wie es Ihnen mit dem Gebet geht. Welche Erfahrungen machen Sie damit? Welche Fragen kommen Ihnen? Am Ende der homepage ist ein Kontaktformular.


Corona-Tagebuch, Tag 2 – 18. März 2020

Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. 

Im Leben von Christen spielt Jesus Christus die Hauptrolle. Das ist fraglos richtig – aber wie und warum kann er uns in Zeiten von Corona helfen? Vielleicht fragen sich das Menschen, die auf diese Seite gekommen sind.

Eine Antwort steckt in dem zitierten Satz von Paulus aus dem 1. Korintherbrief. Das Wesen von Jesus Christus ist, dass er auf seine Freiheit verzichtet hat. Jesus hat seine göttliche Macht aufgegeben und sich einem beschränkten menschlichen Dasein unterworfen. Er hat auf sein Leben als Gottessohn verzichtet und ist Mensch geworden.

Am sichtbarsten wird das am Kreuz. Jesus hat sich freiwillig zur Bewegungslosigkeit verdammen lassen. Er ist nicht davongelaufen. Er hat auf die Hilfe von Engeln verzichtet und sich gefangen nehmen lassen. Er hat den schlimmstmöglichen Tod seiner Zeit auf sich genommen.

Jesus ist ein Vorbild darin, um Anderer willen auf etwas zu verzichten. Darum hat er zum Thema Freiheitsverlust viel zu sagen. Er ist der richtige Ansprechpartner für Menschen, die freiwillig einen Teil ihrer Freiheit aufgeben sollen um andere nicht zu gefährden.

 

Schreiben Sie, wie es Ihnen mit dem Verzicht auf Freiheit geht. Welche Erfahrungen machen Sie? Welche Hilfen finden Sie? Am Ende der homepage gibt es ein Kontaktformular.


Corona-Tagebuch 17. März 2020 – Leben in Zeiten von Corona

Wir sind auf uns selber zurückgeworfen. Das ist das Ergebnis der politisch verordneten Maßnahmen derzeit. Das öffentliche Leben ist heruntergefahren, die privaten Kontakte sollen reduziert werden.

Ziel ist die Unterbrechung der Ansteckungsketten. Am Wochenende sagte ein Virologe: Würden alle Deutschen die nächsten zwei Wochen in ihren Häusern bleiben, hätten wir die Epidemie überwunden.

Ich verstehe das Anliegen und den Hintergrund – und ich finde die Maßnahmen richtig. Ich will in diesem Sinne leben, so gut es geht. Ich will das allerdings nicht nur für mich tun. Ich will die Herausforderung auch geistlich verstehen und nach Gottes Willen in dieser Zeit fragen.

Die Losung des heutigen Tages heißt: Dein Knecht lässt sich durch deine Gebote warnen (Psalm 19,12). Ist es Gottes Wille, sich im Moment warnen zu lassen? Wie tut man das – und was tut man nicht? Welche Hilfen gibt es bei einem solchen Leben?

Ich werde ab jetzt an dieser Stelle über meine Erfahrungen mit dem Rückzug berichten. Welche Probleme sich dabei auftun, aber auch welche Hilfen sich im Glauben finden lassen.

Ich lade Sie ein, sich daran zu beteiligen. Schließen Sie sich an. Lesen Sie mit. Denken Sie mit. Beten Sie mit. Lassen Sie uns diese besondere Passion annehmen – auf jeden Fall einmal bis Ostern.

Ich biete dabei Geistliche Begleitung an. Schreiben Sie über Ihre Erfahrungen mit diesem Leben. Stellen Sie Ihre Fragen. Lassen Sie uns in einen Austausch treten.

Eine Kontaktadresse finden Sie am Ende dieser homepage. Vielleicht erleben wir so noch eine ganz besondere Form der Auferstehung.




Geistliches Tagesthema vom 10. März 2020

Jesus! Gib uns Kraft. Stärke uns in den Nöten des Lebens. Gib uns neue Energie. Lass uns nicht müde werden. Schenke uns deinen Geist. Gib deine Liebe mitten in unser Herz. So werden wir deine Gemeinde – in dieser Welt und darüber hinaus.

Diese Bitten sind einem alten Kirchenlied entnommen. In etwas anderen Worten werden sie vom Lied 164 aus unserem Gesangbuch formuliert.

 Ich bin immer ganz glücklich, wenn mir aufgeht, wie schön unser Glaube ist. Schade um jeden Tag, an dem man das nicht erkennt!


Geistliches Tagesthema vom 3. März 2020

Heute Abend kommt Dr. Christian Pfeiffer zu einem Vortrag nach Bamberg, der ehemalige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen. Es geht um den Unterschied zwischen gefühlter und tatsächlicher Kriminalität in Deutschland.

Tatsächlich besteht wohl eine große Kluft zwischen der Entwicklung der Straftaten in unserem Land und dem Eindruck, den die Menschen davon haben. Kurz gesagt sinken die Straftaten, aber die persönliche Angst der Menschen steigt fast expotentiell.

 

Ich will ihn bei dieser Gelegenheit fragen, ob es diese Kluft auch im Blick auf den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der Kirche gilt. Tatsächlich scheint mir der Anteil von Priestern und Ordensleuten an den Taten sehr gering zu sein – im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung. Ich bin gespannt, was er sagt.


Geistliches Tagesthema vom 28. Februar 2020

Ich habe eine unangenehme Untersuchung vor mir. Das macht mir zu schaffen, aber es ist nötig.

Das Ergebnis kann noch unangenehmer sein – aber das ist noch nicht sicher. Es kann auch völlig harmlos sein. Das allerdings sehe ich kaum. Meine Gedanken kreisen ständig um den schlimmstmöglichen Fall. Ich weiß, dass das sinnlos ist. Aber ich kann es nicht stoppen. Es gibt keine Ausstiegsmöglichkeit. Immer wieder kommt: Wenn das, dann das – und dann???

 Ein Nachbar kommt unverhofft vorbei. Ihm erzähle ich meine Gedanken. Kurz darauf ruft mein großer Sohn an. Wieder erzähle ich, wie es mir geht. Beide verstehen mich. Sie kennen das Gefühl. Plötzlich geht es mir viel besser. Was ist das bloß, dass eine Sache bleibt, wenn man dagegen kämpft und verschwindet, wenn man sie annimmt?!


Geistliches Tagesthema vom 18. Februar 2020

Vorige Woche war ich um diese Zeit noch auf meinen Reiseexerzitien in Trier unterwegs. Inzwischen bin ich wieder zuhause. Der Alltag hat mich zurück.

Das ist wohl eine der schwierigsten Aufgaben im Leben: Mit dem Alltag zu Recht zu kommen. Keine großen Sachen planen. Mit dem täglichen Leben fertig werden.

Der Lehrtext aus dem Losungsheft heute gibt dem Leben Tiefe: Groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Es ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit (1. Timotheus 3,16).

 Immer wieder versuche ich, mir den Satz auswendig herzusagen und ihn so Stück für Stück zu erfassen. Das ist eine echte Herausforderung für den heutigen Tag.


Geistliches Tagesthema vom 31. Januar 2020

Mein Haus soll ein Bethaus sein! hat Jesus gesagt und damit ein Wort aus dem Alten Testament zitiert (Jesaja 56,7). Offensichtlich ist sich die Bibel einig, dass Beten im Zentrum des Glaubens steht.

Ist das so?

Ich will mich einmal aufmachen und nachschauen. Ich besuche in den nächsten Tagen neun Gemeinden in wichtigen Städten der Republik, schaue mir die Kirchen an und spreche mit den Kollegen und Kolleginnen. Welcher Platz wird dem Gebet in dieser Gemeinde eingeräumt? Welchen Stellenwert hat es?

 Ich erhoffe mir durch diese Reise nicht nur Anregungen für mein eigenes Beten, ich will das Thema auch ins Gespräch bringen. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.


Geistliches Tagesthema vom 28. Januar 2020

Der Freund sah müde aus. Das war eigenartig. Normalerweise freute er sich sehr, wenn ich ihn besuchen kam…

Seine Erklärung war noch seltsamer. Er hätte sich beim Sport übernommen. Normalerweise tat es ihm gut, sich zu bewegen…

Als dann noch ein Anruf kam, dass er morgen entgegen der Planung doch arbeiten müsste, war er ganz niedergeschlagen. Ich will das nicht mehr…! sagte er mehrmals. Er, dem sein Beruf so viel bedeutete...

Wir haben den Abend dann abgebrochen. Viel früher als geplant. Er widersprach nicht. Kein gutes Zeichen! Ich muss mich wohl bald wieder einmal bei ihm melden!


Geistliches Tagesthema vom 24. Januar 2020

Es passiert nicht oft, aber heute Nacht ist es wieder einmal geschehen: Ich hatte einen Alptraum. Ich war auf einer mittelalterlichen Burg gefangen und konnte nicht raus – und dann brachte die Polizei auch noch eine große Zahl von wirklich bösen Menschen in die Burg.

Wie mittelalterliche Burg und Polizei zusammenpassen, weiß ich nicht. Aber meiner Angst war das egal. Sie war riesengroß. Ich wachte davon auf und lag lange Zeit wach.

Gut, dass ich (auch) für diese Fälle das Herzensgebet habe. Herr, Jesus Christus, erbarme dich meiner, im Atemrhythmus gesprochen. Diese Worte helfen mehr, als alle logischen Überlegungen. Atemzug für Atemzug erfahre ich, dass niemand Macht über mich hat – ein Alptraum schon gar nicht.

Das ist jetzt nicht die hohe Schule des Betens, aber ich war sehr froh, dass ich irgendwann wieder eingeschlafen bin.


Geistliches Tagesthema vom 21. Januar 2020

Ich hatte mir Mühe gegeben! Ich war voller Leidenschaft. In klaren Worten fasste ich meine Meinung zusammen. Meine Argumente waren gut, meine Sichtweise bisher kaum berücksichtigt worden - aber die Zeitung überging meine Zuschrift einfach. Der Brief wurde nicht gedruckt.

Ich ärgerte mich. In Gedanken schimpfte ich auf die Tendenzpresse, die nur das abdruckt, was ihr in den Kram passt. Dann las ich, dass es viele Zuschriften an das Blatt gibt – so viele, dass gar nicht alle gedruckt werden können. Es braucht einen Modus der Auswahl. Darunter ist auch meine Zuschrift gefallen.

Keine Tendenzpresse, sondern ein unnötiger Aufreger meinerseits. Hätte ich von Anfang an genau gelesen, wäre mir die Enttäuschung erspart worden. „Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn,“ heißt es in der Bibel (Jakobus 1, 19-20). Wie wahr – und wie schwer!


Geistliches Tagesthema vom 17. Januar 2020

Der 3. Text der heutigen Losungen ist es wieder einmal einfach wert, bekannter gemacht zu werden. Zum ersten Auftritt von Mose vor dem biblischen Pharao, an den die Losung erinnert, wird aus einem Gedenkgottesdienst zum 150. Jahr nach der Abschaffung der Sklaverei in Suriname zitiert.

Die Worte bekommen besondere Qualität, wenn man sich vor Augen hält, wie viele Menschen immer noch nicht wirklich frei sind, wie viele Pharaos es tatsächlich immer noch gibt und wie wichtig auch heute Menschen wären, die in die Freiheit führen.

 „Herr, du bist der Gott, der sein Volk aus der Sklaverei befreit und in die Freiheit geführt hat. Du sendest Menschen aus, deine Freudenbotschaft zu verkündigen und deine Kinder zu dir zu bringen. Du gibst uns Mut, aufzustehen und für die Freiheit zu kämpfen. Du bringst uns Menschen zusammen, um in Freiheit zu leben und fröhlich miteinander zu feiern. Du befreist uns von den Ketten der Vergangenheit. Du führst uns in dein zukünftiges Reich.“


Geistliches Tagesthema vom 14. Januar 2020

In dieser Woche wird über einen neuen Umgang mit der Haltung der Menschen zur Organspende abgestimmt. Viele stellen dabei das Gute in den Mittelpunkt, das mit den gespendeten Organen erreicht werden kann und forcieren die Sache sehr deutlich.

Ich selber sehe das Leben eher als ein individuelles Geschenk an. Ich möchte die Tage auskosten, die Gott mir schenkt und will versuchen, in seinen Willen für mich einzustimmen. Ein Transplantationsmediziner an meinem Sterbebett würde diesen Prozess stören.

 Ich erbitte den Abgeordneten des Deutschen Bundestages darum Gottes Geist für eine gute Entscheidung im Sinne seiner Liebe. 


Geistliches Tagesthema vom 10. Januar 2020

Am letzten unsrer Tage umgibt uns noch dein Licht;
drum keiner fürcht und zage, auch wenn das Herz ihm bricht.
Mag Erdentrost ihm schwinden, auf dich nur darf er baun.
Wir wollen’s nicht ergründen, wir wollen nur vertraun.

Ein unbekannter Dichter aus Leipzig wird heute im dritten Text der Losungen zitiert. So klar er das Wesen des christlichen Glaubens auf den Punkt bringt, so sehr bietet er heutigem Denken eine Angriffsfläche. Etwas nicht verstehen können oder wollen und trotzdem darauf vertrauen, das schafft ein Mensch unserer Zeit kaum.

 Ich will damit gar nichts gegen die allgegenwärtige Wissbegierde unserer Zeit sagen. Beispiele wie die Klimakrise zeigen aber, dass unser Wissen nicht unbedingt zum richtigen Handeln führt. Das richtige Verhalten ist ein eigener Wert, um den man sich genauso kümmern muss wie um die rechte Erkenntnis.


Geistliches Tagesthema vom 7. Januar 2020

Die Feiertage sind endgültig vorüber und der Alltag hat uns wieder.
Man mag der freien Zeit hinterher trauern, aber irgendwie ist das auch schön, wenn das Leben wieder „seine Ordnung“ hat.

Umso schöner ist der Vers aus dem Neuen Testament, der vom Team der heutigen alttestamentlichen Losung beigestellt worden ist: Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?!

 Das ist eine große Verheißung, die so gar nichts Alltägliches an sich hat. Dieser Zusage im alltäglichen Leben nachzuspüren ist eine schöne Aufgabe. Dafür sollten wie uns immer wieder ein bisschen Zeit nehmen.


Geistliches Tagesthema vom 3. Januar 2020

Die Kirche ist häufig als ernst verschrien. Freude und Spaß haben drina wenig Platz – trotz allem Trost und Hoffnung, um die es im Glauben geht.

Das Losungsheft zeigt heute eine andere Seite des Glaubens. Es bringt als dritten Text ein Lied von Benjamin Schmolck, das rund 300 Jahre alt ist. Es beginnt mit dem Vers:

Meinen Jesus lass ich nicht. 
Ach, was könnt mich besser laben?
Ruhe, Freude, Trost und Licht
kann ich alles bei ihm haben.
Alles, was Vergnügung gibt,
Hab ich, weil mich Jesus liebt.

So viele schöne Worte! Schade, dass sie sich in der Kirche nicht durchgesetzt haben…


Geistliches Tagesthema vom 27. Dezember 2019

Im Losungsheft habe ich heute einen wunderschönen Vers gefunden. Der Schweizer Pfarrer und Liederdichter Georg Schmid bringt das Gefühl eines gläubigen Menschen am ersten Werktag nach den Weihnachtsfeiertagen auf den Punkt:

Nachdem die Boten auf dem Felde sangen

vom Frieden Gottes, der auf Erden gilt,

ist all dies nun vergessen und vergangen

in einer Welt, von Hass und Angst erfüllt?

Komm du zu uns, weil wir zu dir nicht finden.

Schenk dein Licht allen, die im Finstern gehen.

Und lass all das, wovon die Engel künden,

jetzt noch einmal und nun an uns geschehn.

            Genau aus diesem Grund bete ich jeden Tag.


Geistliches Tagesthema vom 24. Dezember 2019

Der Unterschied zwischen Weihnachten und allen sonstigen Gedenkfeiern unserer Welt ist eben so einfach wie nachhaltig. Beim Gedenken an den Mauerfall, an Beethoven oder wessen auch immer wir zurzeit gedenken, fragen wir nach der Bedeutung eines vergangenen Geschehens. Die Sache, um die es geht, ist vorbei und mehr oder weniger abgeschlossen.

Jesus aber, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, lebt und ist Herr der Welt. Er sieht, was wir an und mit seinem Geburtstag tun. Er erkennt, welche Konsequenzen wir aus dem Kommen seiner Person in die Welt ziehen. Er nimmt wahr, ob unser Handeln mit seinem Willen übereinstimmt. Der Herr der Welt sieht zu, wie wir auf das Kind in der Krippe schauen. Das mag erschrecken – es kann aber auch ganz neue Kräfte wecken...

 Ich wünsche ein frohes Weihnachtsfest in der Gemeinschaft unseres liebevollen Gottes.


Geistliches Tagesthema vom 20. Dezember 2019

Mir wurde in dieser Woche ein Zahn gezogen. Es kam etwas überraschend, musste aber sein. Ich bin kein Held beim Zahnarzt und stellte mich auf schlimme Tage ein. – Es kam anders.

Ich hatte kaum Angst vor der Operation. Ich schlief in der Nacht gut und ging zu Fuß in die Praxis.

Ich merkte nicht einmal, wie der Zahn heraus kam. Die Sprechstundenhilfe hat mir gesagt, dass er schon weg ist.

Ich hatte kaum Schmerzen hinterher. Ich tat, was mir gesagt worden war, kühlte gut, nahm die Tabletten nach Vorschrift und spürte wenig.

 War das ein Geschenkt? Oder hat sich ein Spruch bewahrheitet, den mein Internettechniker immer sagt: Kaum macht man’s richtig, schon geht’s? Ich weiß es nicht, aber es freut mich!


Geistliches Tagesthema vom 13. Dezember 2019

Im Losungsheft habe ich gestern ein Lob der Stille aus der koptischen Kirche gelesen: Lass deinen Mund stille sein, dann spricht dein Herz. Lass dein Herz stille sein, dann spricht Gott.

Hat solches Denken in unserer Zeit überhaupt eine Chance, wahrgenommen zu werden? Einer Zeit, in der so viele Menschen nach dem Motto leben: „Ich poste, also bin ich“?

 Der Drang, sich zu äußern, kommt wohl aus der Sorge, ansonsten nicht gesehen zu werden. Die Meinung, dass Gott auch in das „stille Kämmerlein“ sieht, ist eine Überzeugung Jesu. Aber wie schwer ist es, ihm hier nachzufolgen…!


Geistliches Tagesthema vom 10. Dezember 2019

Der Mann in der Jugendherberge hatte ausgeleierte Hosen an. Sein Pullover war mit Joghurt bekleckert. Er war alt; wusste, wo die Salzstreuer standen und fragte uns, ob wir schon auf der Wartburg gewesen waren.

Wir waren gerade frisch in Weimar angekommen und gespannt auf die Stadt. Ich vermutete, dass er der frühere Leiter der Herberge war und hier noch mit essen durfte – den Eindruck vermittelte er mir.

 Am letzten Morgen kam meine Frau noch mit ihm ins Gespräch. Er war Gast wie wir und hatte sich schon vieles in der Umgebung angeschaut – trotz seines hohen Alters. Im Nachhinein tat mir leid, dass ich ihn nicht näher kennengelernt hatte. Ein alter Mann, der solche Reisen macht und in Jugendherbergen übernachtet, hätte sicher viel zu erzählen gehabt...


Geistliches Tagesthema vom 6. Dezember 2019

Wo würde ich mir in der Kirche mehr Eindrücklichkeit wünschen? So wurde heute in den Alltagsexerzitien gefragt.

Anknüpfungspunkt war das Ende der 10 Gebote, wo eindrücklich die Umstände erzählt wurden, unter denen die Gebote gegeben wurden.

Ich würde mir mehr Respekt vor Gott wünschen. Vor der Geschichte seines Tun, vor seiner Gegenwart in Gottesdienst und Alltag. Kirche heute ist mir viel zu sehr auf gefällige Buntheit und Nettsein reduziert. Ein bisschen weniger Nikolaus und ein bisschen mehr Pelzmärtel täte not… Aber diese Sicht hat sich auch bei mir erst entwickelt.


Geistliches Tagesthema vom 3. Dezember 2019

Glaube also nicht, dass du den wahren Frieden gefunden hast, sobald dich nichts drückt und drängt,

oder dass alles gut ist, wenn du mit keinem Feinde zu streiten hast,

oder dass es ein sicheres Wahrzeichen der Vollkommenheit ist, wenn dir alles nach Wunsch und Neigung geht.

Noch weniger halte dich für etwas Großes oder einen besonderen Freund Gottes, wenn du die Fülle der Andacht und Wonne genießest…

 Liest man Thomas von Kempen, wird so ziemlich alles atomisiert, was einem modernen Menschen etwas bedeutet. Ihm geht es allein um das Vertrauen in Gott – völlig unabhängig vom eigenen Gefühl. Ich merke, ich bin noch sehr weit weg von diesem Glauben. Schade.


Geistliches Tagesthema vom 29. November 2019

Du sollst nicht ehebrechen, steht heute in unseren Alltagsexerzitien.

Die Tageszeitung bringt einen eher außergewöhnlichen Artikel über ökumenische Ehevorbereitungsseminare im Bistum Würzburg.

Und Sorya Lippert vom Vorstand des Deutschen Familienverbands, Ortsverband Schweinfurt, wird mit den Worten zitiert: Ich glaube, unsere individualisierte Gesellschaft unterschätzt die Notwendigkeit von langlebiger Gemeinschaft.

Kirchliche Werte sind oft nicht populär. Aber vielleicht doch richtig und für die Gemeinschaft hilfreich. Manchmal brauchen Individuen Hilfe, das einzusehen.


Geistliches Tagesthema vom 22. Nov. 2019

In den Alltagsexerzitien geht es in dieser Woche um die Feiertagsheiligung, um Arbeitsruhe und Stille.

Dabei ist der Unterschied zwischen Stille und Jubel sehr interessant. Stimme ich in gemeinsamen Jubel ein, ändert sich die Intensität des Jubels aber nicht sein Wesen. Je nachdem, wie viel Menschen daran beteiligt sind, wird der Jubel wird mehr oder weniger lauter. Sein Wesen bleibt davon unberührt: Menschen drücken gemeinsam Freude aus.

In der Stille reicht dagegen eine einzige Störung, um sie für alle zunichte zu machen. Jeder kann die Stille stören.

 Das ist nicht nur ein interessanter Gedanke, sondern auch eine große Verantwortung. Alle müssen mitmachen, damit Stille eintritt. Zur Stille gehört Umsicht und Rücksicht.


Geistliches Tagesthema vom 19. November 2019

Manchmal, wenn ich beim Beten sitze und versuche, mich vor Gott leer zu machen, merke ich, wie die Körperanspannung nachlässt. Ein kleiner Schauer geht über den Rücken, die Spannung in den Beinen lässt nach, die Gesichtsmuskeln entspannen sich. Ich merke erst im Nachhinein, wie angespannt ich oft bin.

Entspannung ist nicht der Kern des Betens. Hier geht es um die Kommunikation mit Gott. Aber zur Offenheit vor Gott gehört es, Altes loszulassen und für Neues offen zu werden.

 Wenn mir das gelingt merke ich: Gottes Willen zu erfüllen tut mir oft sogar körperlich gut.


Geistliches Tagesthema vom 15. November 2019

Gestern habe ich wegen zweier Absagen in einer wichtigen Angelegenheit richtig Angst bekommen. Ich habe die Sache in ein langes Gebet eingebracht und ein intensives Gespräch mit meiner Frau darüber geführt.

Ein alter Freund hat angerufen und im Nu waren wir in tiefen Glaubensfragen, die wir nur deshalb nicht intensivieren konnten, weil ich zum Friseur musste.

Ich war beim walken und habe die Sonne genossen und im Wald und habe Pilze gefunden und gleich verarbeitet.

Ich hatte am Nachmittag ein langes Seelsorgegespräch und am Abend eine intensive Diskussion in einer Gruppe, die mir sehr am Herzen liegt; zwischendrin habe ich noch eine andere Gruppe vorbereitet.

 Danke, Herr, für diesen intensiven Tag. Er war sehr schön. Es müssen aber nicht alle Tage so sein….


Geistliches Tagesthema vom 12. November 2019

Du sollst dir kein Bildnis machen …. In den Alltagsexerzitien geht es gerade um das biblische Bilderverbot. Man soll sich von nichts in der Welt ein feststehendes Bild machen…

Im Konfiunterricht haben wir dazu das Schiebespiel nachgespielt. 15 Kacheln sollten auf einer Fläche, die für 16 Kacheln reicht, solange verschoben werden, bis sie an der richtigen Stelle lagen. Das war schwer, hat aber Spaß gemacht. Wenn allerdings eine 16. Kachel das Bild „komplett“ machte, war keine Veränderung mehr möglich.

 

Darum geht es wohl dem Bilderverbot. Nichts soll für immer feststehen. Immer soll Raum für Veränderung sein. Das ist für uns Menschen wichtig. Wer keinen Raum für Veränderung hat, fühlt sich schnell eingesperrt. Die alten Gebote haben schon einen tiefen Sinn…!


Geistliches Tagesthema vom 8. November 2019

Das Buch von der Nachfolge Christi von Thomas von Kempen war Jahrhunderte lang das christliche Erbauungsbuch mit der größten Verbreitung – in allen Konfessionen. Es war ein Lieblingsbuch von Martin Luther und Ignatius von Loyola.- Gestern habe ich darin den Satz gelesen:

Das wirklich Fortschreiten im geistlichen Leben besteht nicht etwa nur darin, dass du die Gnade der himmlischen Tröstungen genießt, sondern auch und vorzüglich darin, dass du voll Demut und Selbstverleugnung, auch bei weichender Gnade, dein Herz in Geduld bewahrst.

 Sich freuen, wenn man spürt, dass man bei Gott aufgehoben ist. An dieser Tatsache nicht zweifeln, auch wenn man es gerade nicht spürt. Kürzer kann das Wesen des Glaubens kaum zusammengefasst werden. Aber wie schwer ist das!


Geistliches Tagesthema vom 5. November 2019

Auf dem Titelbild für die heute beginnenden Alltagsexerzitien ist eine Hand vor einem bewölkten Himmel zu sehen, die quasi die Sonne hält. Die scheint durch die Wolken hindurch und steht in meiner Vorstellung für die 10 Gebote. Sie sind das Thema der diesjährigen Alltagsexerzitien.

Was erwarte ich von der kommenden Zeit? Werden die herbstlichen Wochen bis zum 10. Dezember wirklich heller durch die Beschäftigung mit Gott? Werden wir mit den Geboten warm werden?

Immer wieder überrascht mich, wie eigene Ideen zu sprechen anfangen, wenn sie vor dem Hintergrund eines liebenden Gottes angeschaut werden. Das ist für mich einer der klarsten Gottesbeweise schlechthin.


Geistliches Tagesthema vom 2. November 2019

Lass alles freundlich sein,
voll Demut, was ich sage,
es sei groß oder klein;
und dass ich lieber trage,
als meinem Nächsten sei
aus eigner Schuld zur Last,
auf dass du, Vater,
Ehr an deinen Kindern hast.

Diese Worte von Benigna Marie von Reuß stehen bei den heutigen Losungen. Sie treffen mich. Denn gestern bin ich mich wieder an einem Leserbrief gesessen - und der war nicht demütig.

 Zum Glück habe ich ihn noch nicht abgeschickt! Ich werde ihn noch einmal überarbeiten – und dabei versuchen, Gott Ehre zu machen. Danke, Herr, für den Hinweis!


Geistliches Tagesthema vom 29. Oktober

Beim Morgengebet merke ich die Schwere. Einiges hakt zurzeit und lässt sich nicht so leicht wegwischen. Hier braucht es wohl größere Anstrengungen.

Dann schaue ich das Lied nach, von dem ein Vers den Losungen als Gebet beigegeben ist (EG 472,2). Ich kenne es nicht und muss die Gitarre zu Hilfe nehmen. Ich finde eine Melodie von wunderbarer Leichtigkeit. Aus der Tiefe schwingt sich die Tonfolge Schritt für Schritt zu jubelnder Freude auf. Meine eigene Schwere ist wie weggeblasen.

 Martin Luther hat Recht: Nach der Theologie ist die Musik die größte Kunst. Schön, dass ich das wieder am eigenen Leib erfahren durfte.


Geistliches Tagesthema vom 25. Oktober 2019

Die Tageslosung vom heutigen Freitag spricht einen wunden Punkt im Menschsein an. Gott tut große Dinge, die wir nicht begreifen – heißt es da im Buch Hiob.

Können wir uns das sagen lassen?

Kann ich hinnehmen, dass ich nicht alles verstehe – und es vielleicht trotzdem Sinn hat? Oder halte ich mich selbst für den Größten und tue eine solche Aussage als baren Unsinn ab? An der Antwort auf diese Frage entscheidet sich viel.

 Ein Nicht-Christ, geboren vor ziemlich genau 2500 Jahren, hat eine zentrale Aussage dazu gemacht. Ich weiß, dass ich nichts weiß! soll Sokrates gesagt haben. Wenn wir zumindest nicht glauben würden, dass wir alles wissen, wäre in dieser Welt schon viel gewonnen.


Geistliches Tagesthema vom 22. Oktober 2019

Unsere Tageszeitung hat einen Test gemacht. Neun Monate lang haben die Redakteure 75 Gottesdienste in der Region besucht. Jetzt wollen sie darüber berichten.

Ich bin gespannt auf das Ergebnis. Aber mich freut vor allem das Interesse. Sie möchten Kirche und Bürger wieder näher zusammenbringen. Sie wollen, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften.

So viel Kirchenfreundlichkeit hätte ich gar nicht erwartet. Wir sind in dieser Beziehung nicht verwöhnt.

 Ich will mich auch beteiligen. Ich finde es gut, wenn es mehr gegenseitige Be-Achtung gibt.


Geistliches Tagesthema vom 18. Oktober 2019

„Steh uns bei, Gott, gegen die Resignation in unseren Kirchen anzugehen,
nach neuen Wegen zu einem glaubwürdigen Lebensstil mündiger Christen zu suchen,
mit Entschlossenheit und Zivilcourage Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus zu begegnen
und in der Sogkraft deines Reiches den Glauben mutiger zur Sprache zu bringen“.

Was für ein schöner Text! dachte ich beim ersten Lesen dieses Gebetes aus der Sinfonia Oecumenica, das die Begriffe Gerechtigkeit und Friede aus den heutigen Losungen illustriert.

Dann merkte ich, wie viele Unterstellungen diese Gedanken enthalten. Die Menschen in den Kirchen haben resigniert; die bisherigen Glaubenswege taugen nicht mehr – und jeder, der die Errungenschaften unseres Volkes nicht gleich allen Menschen auf der Welt zur Verfügung stellen will, ist fremdenfeindlich und nationalistisch.

In der Sogkraft von Gottes Reich will ich darum meinen Glauben zur Sprache bringen und solchen Unterstellungen widersprechen. Die Welt ist doch ein bisschen komplexer.


Geistliches Tagesthema vom 15. Oktober 2019

Ich habe schon einige Jahre den Schwerbehindertenstatus, der mir eine Freifahrt im Öffentlichen Nahverkehr erlaubt. Das ist schön, gilt aber nicht in Intercityzügen. Aus besonderem Anlass habe ich darum ein geeignetes Ticket gekauft – auf dem Handy, wie sich das heute gehört.

Im Zug habe ich dann entdeckt, dass es inzwischen sogar einen Comfort-CheckIn gibt: Man teilt dem Schaffner über das Handy mit, wo man sitzt und der kommt dann nicht mehr zur Kontrolle. Allerdings klappte das bei mir nicht – und nach einiger Zeit fand ich den Grund heraus: Mein Computer (oder besser gesagt: ich selbst) hatte bei der Ticketausstellung ein falsches Datum eingetragen. Damit war das Ticket wertlos, teilte mir zumindest der Computer mit, mit dem ich im Zug chatten konnte. Ich wusste nicht mehr, ob ich über meine Beziehung zur modernen Technik lachen oder weinen sollte…

Als dann aber weder der Schaffner von vorne noch der Schaffner von hinten bis zu mir zur Kontrolle kamen habe ich mich einfach für die Bewahrung bedankt und bin ausgestiegen. Gott wirkt offensichtlich auch in der Deutschten Bahn!


Geistliches Tagesthema vom 11. Okt. 2019

Ich habe mit einem Amt Schwierigkeiten. Sie rühren sich nicht. Sie lassen sich jede Information wie Würmer aus der Nase ziehen – und wenn sie antworten, dann in einem Ton, der mich ganz klein macht.

Ich habe jetzt beschlossen, mich dagegen zu wehren. Ich habe einen Anspruch auf Unterstützung. Auch wenn ich Unterstützung brauche, so ist es doch immer noch ein Anspruch und keine freiwillige Leistung. Also will ich als Partner auch ernst genommen werden.

Unsere Befähigung kommt von Gott – sagt der Lehrtext zur heutigen Tageslosung. Dieser Satz hat mich mutig gemacht. Ich werde meinen Anspruch geltend machen, denn ich weiß: Ich habe hier einen Rückhalt. Meine Befähigung kommt von Gott…


Geistliches Tagesthema vom 8. Oktober

Am Sonntag war Erntedankfest. Viele Kirchen waren schön geschmückt und die Gottesdienste wurden liebevoll gefeiert.

Überall wurde wohl auch der Wochenspruch zu diesem Tag gelesen: Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.

Mir sind in diesem Jahr die letzten Worte dieses Verses aus dem 145. Psalm besonders wichtig geworden. Die rechte Zeit – wann ist das? Sind wir uns in der Einschätzung der Zeit mit Gott einig? Teilen wir seine Sicht? Oder hätten wir gern schneller, was wir brauchen? Können wir überhaupt noch warten – oder macht es uns Angst, wenn wir keine Vorräte haben und auf Gott angewiesen sind?

 Bei den Raubtieren im Zoo steigt die Unruhe und viele brüllen, wenn die Fütterungszeit näher kommt. Mir scheint, viele Menschen ähneln mehr ihnen, als dem Beter des 145. Psalms. Gott zu vertrauen und ihm die Bestimmung der rechten Zeit zu überlassen ist ein hohes Ziel.


Geistliches Tagesthema vom 27. September

Menschen werden sich erst dann wieder für die Kirche interessieren, wenn sie sehen, dass das Leben in der Kirche besser ist als das Leben außerhalb. So habe ich es im letzten Geistlichen Tagesthema formuliert.

Seitdem geht mir diese Frage nicht mehr aus dem Kopf. Wie sehen Menschen die Kirche? Verhalten sich Kirchenmitglieder anders als andere Menschen? Tun sie etwas, was andere Menschen nicht tun? Unterlassen sie etwas, was andere Menschen problemlos tun?

Gibt es hier Unterschiede? Soll es überhaupt Unterschiede zwischen Christen und Nichtchristen geben? Wie leben wir unseren Glauben? Wollen, sollten wir etwas anders machen?

Über diese Fragen will, muss ich eine Weile nachdenken…


Geistliches Tagesthema vom 24. September

Gestern haben sie im Radio über die Kirche diskutiert. „Glauben Sie an die Erneuerung der Kirche?“ war die Frage. Und: Was müsste die Kirche tun, um die Menschen besser anzusprechen?

Die Anrufer waren uneins. Die Einen meinten dies, die anderen hielten anderes für besser.

Mir ist die Fragestellung fremd. Ich war in einer leitenden Tätigkeit unserer Kirche und habe die Ohnmacht von Kirchenleitung am eigenen Leib erfahren. Es gibt keine einheitliche Leitung in der Kirche  –  weder in der evangelischen noch in der katholischen Ausformung – und die Menschen machen eh, was sie wollen. Erst wenn wir alle begreifen, dass ein Leben nach dem Willen Gottes besser ist, als ein Leben nach unseren Bedürfnissen, erst dann werden wir unser Leben ändern.

Wie Menschen aber anfangen sollen, nach Gott zu fragen, wo ihnen von allen Seiten eingehämmert wird, dass ihr freier Wille das höchste Gut ist, das weiß ich auch nicht. Hier ist schon viel Gottvertrauen gefragt.



Geistliches Tagesthema vom 20. September

Über was habe ich mich mit dieser Freundin nicht alles gestritten! Bei so vielen Dingen waren wir uns nicht einig. Es ist kein Wunder, dass wir nicht zusammen geblieben sind – obwohl es doch einige gemeinsame Jahre waren…

Sie ließ zum Beispiel beim Zähneputzen das Wasser laufen. Ich war damals schon grün angehaucht und habe das oft moniert. Völlig erfolglos! Sie ließ sich diese „Freiheit“ nicht nehmen.

Bei mir aber hat sich das Verhalten eingegraben. Noch heute, nach fast 40 Jahren, bin ich immer wieder versucht, beim Zähneputzen das Wasser laufen zu lassen. Ich beherrsche mich meist, aber es hat für mich oft den Geschmack einer Einschränkung.

Manchmal läuft ein kleines Rinnsal, ökologisch völlig unbedenklich, und ich denke dann staunend und immer noch ein wenig empört an die frühere Freundin…

 Was für eine mächtige Kraft ist doch die menschliche Seele!


Geistliches Tagesthema vom 17. Sept. 2019

Am heutigen Dienstag beginnt mein Dienst im Bamberger Dom. Ich werde den „Moment am Mittag“ mit gestalten und in loser Reihenfolge mit Anderen eine 10minütige Andacht für die Besucher halten. Ich bin der erste evangelische Christ, der hier mitwirken darf.

Natürlich ist das spannend und eine Herausforderung. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich in einem Büchlein zum Dom von Erzbischof Ludwig Schick den Satz fand: „Die Christen messen ihren Kirchen keine Heilsbedeutung zu, aber Funktionen für das Heil, das allein von Jesus Christus kommt.“ Das kann ich auch als evangelischer Christ vollständig unterschreiben.

Erst recht habe ich mich gefreut, als ich heute Morgen in den Losungen diesen Liedvers von Georg Weissel aus dem Jahr 1642 fand. Das Lied (Evang. Gesangbuch, Nummer 346) beginnt so:

Such, wer da will, ein ander Ziel,// die Seligkeit zu finden; // mein Herz allein bedacht soll sein, // auf Christus sich zu gründen. // Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, // sein heilger Mund hat Kraft und Grund, // all Feind zu überwinden.

Wenn sich Christen aus verschiedenen Jahrhunderten und unterschiedlichen Denominationen so einig sind, dann muss es doch stimmen: Jesus Christus ist die Mitte der Welt!



Geistliches Tagesthema vom 13. September

Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen. Im Traum bin ich von riesigen Insekten angegriffen worden. Die Zahnärztin hat mir gestern auch nicht helfen können; ich muss die Schmerzen noch mindestens eine Woche aushalten. Zu allem Unglück war heute Morgen auch der Gartenwasserhahn verstellt und ich habe mich selber nass gespritzt.

Freitag der 13.??? Eher nicht.

Ich halte es mit dem Lied, das den heutigen Losungen beigegeben ist: Wechselnde Pfade, Schatten und Licht: Alles ist Gnade, fürchte dich nicht. Es gibt miese Tage – aber nicht am Leben teilnehmen wäre noch schlimmer!

Ein paar Mal singen und es geht mir noch nicht wirklich gut, aber schon besser…


Geistliches Tagesthema vom 10. September

Schon seit Wochen nehme ich mir vor, die neuen Exerzitien zu schreiben. Immer wieder schiebe ich es vor mir her. Die 10 Gebote stehen als Thema an. Ich habe Respekt vor der Aufgabe, mich diesen besonderen Worten auszusetzen.

Gestern kam der Durchbruch. „Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein“, wird der barmherzige Vater in den Losungen zitiert. Dieser Auftrag, ursprünglich zu dem älteren Sohn gesagt, hat mich elektrisiert. Ist das nicht auch ein Auftrag an uns heutige Christen? Wie lebt man fröhlich und guten Mutes in der Gegenwart Gottes? Und können die 10 Gebote da eine Hilfe sein?

Plötzlich sprudeln die Gedanken – und ich freue mich darauf, sie anderen Menschen weiter zu geben und sie mit ihnen zu besprechen. Vielleicht gelingt es uns, gemeinsam diesem Auftrag näher zu kommen.

Fröhlich und guten Mutes sein – das will Gott von uns. Und bei mir hat er es in diesen Tagen auch gemacht.


Geistliches Tagesthema vom 6. September

Heute früh hat beim Schwimmen alles gepasst. Im Becken waren nicht zu viele Menschen. Die Luft war kalt, aber das Wasser hatte noch 24 Grad. Ich konnte beim Kraulen in aller Ruhe atmen und beim Brustschwimmen bis nach hinten durchziehen. In meinem Tempo habe ich meine Bahnen gezogen. Es war ein herrliches Gefühl, danach unter der heißen Dusche zu stehen…

Wie wenig braucht es manchmal zum Glück: Das Schwimmen am Morgen erfordert kaum Aufwand. Nur den inneren Schweinehund muss man vor dem Aufstehen überwinden. Aber dann lacht die Sonne – heute sogar tatsächlich.

 Wie wenig braucht es manchmal zum Glück! Danke, lieber Gott.


Geistliches Tagesthema vom 3. September

Ich hatte mich in einem Konflikt verrannt. Ich sah die Ursachen des Streits im Verhalten des Anderen. Ich fühlte mich gefangen in einem Netz von Hoffnungslosigkeit. Ich sah die Lösung – wenn überhaupt – in einer fernen Zukunft, wo alles besser werden würde.

Und dann zeigte mir ein Freund die Wirklichkeit auf. Es war die Gegenwart, die mich so hoffnungslos machte. Ich fühlte mich allein gelassen und nicht geliebt – und wenn es eine Lösung gab, dann sofort und nicht in der Zukunft.

Seine Beschreibung tat mir gut. Sie gab mir eine neue Perspektive. Sie öffnete Horizonte. Sie ließ mich in neuer Weise auf mein Leben, den Konflikt und meine Bedürfnisse schauen. Ich fühlte mich geborgen und angenommen.

Am selben Tag fand ich ein Lied bei den Losungen. Ich habe es mir angeschaut, wie es meine Gewohnheit ist. Es steht im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 355 und beginnt so:

Mir ist Erbarmung widerfahren, // Erbarmung, deren ich nicht wert; // das zähl ich zu dem Wunderbaren, // mein stolzes Herz hat’s nie begehrt. // Nun weiß ich das und bin erfreut // und rühme die Barmherzigkeit.

Das waren meine Gefühle! Das ist meine Situation. So erging es mir in meinen Problemen.

Vielleicht passt nicht jeder Vers dieses Liedes – aber das Grundgefühl spricht mir aus der Seele: Jemand hat mich angenommen. Aus lauter Barmherzigkeit. Das tut so gut!

Und jetzt singe ich das Lied immer wieder und freue mich an dem guten Gefühl.


Geistliches Tagesthema vom 30. August

Meine Enkeltochter war zu Besuch. Sie ist 1 ½ Jahre alt und eine kleine Persönlichkeit. Ich sehe sie nicht oft und sie war entsprechend reserviert. Zur Begrüßung hat sie Kopf weggedreht.

Dann ist sie 10 Minuten nur auf dem Schoß ihrer Mutter gesessen. Blickkontakt hat sie vermieden. Nur dem angebotenen Stück selbstgebackenen Aprikosenkuchen konnte sie nicht widerstehen. Der hat ihr gut geschmeckt.

Danach durfte ich ihr sogar das Wasser reichen. Mit dem Trinkbecher hat sie ein kleines Spiel veranstaltet und sich immer wieder einschenken lassen. Aber immer noch kaum ein Lächeln.

Nach einer guten halben Stunde erst hat sie so richtig bemerkt, wo sie ist: Auf dem Wasserspielplatz. Was gibt es da nicht alles zu entdecken! Ganz zögerlich hat sie die Hand genommen und ist die ersten Schritte mit mir gegangen.

Bald aber sind wir Hand in Hand den Bachlauf entlang gegangen und haben geschaut, wo die Fische sind. Am Ende des Tages habe ich sogar noch ein Bussi bekommen – eine Besonderheit, sagten die Eltern!

Gott hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde – so sagt es der Lehrtext zur Tageslosung heute (2. Petrus 3,9). Ich glaube tatsächlich, das ist mit Buße gemeint: Nicht in seinen Gefühlen und Ängsten verharren, sondern sich dem Leben öffnen und den reichen Möglichkeiten, die es zu bieten hat – an der Hand eines liebenden Gottes.

Wobei ich sehr wohl weiß, dass ich nicht Gott bin, sondern nur ein liebender Großvater!



Geistliches Tagesthema vom 27. August

Ich muss wegen meiner gesundheitlichen Einschränkungen regelmäßig zur Behandlung. Mit dem Therapeuten habe ich dabei ein gutes Verhältnis. Er kennt mich und meinen Beruf und teilt meine Einstellung. Immer wieder unterhalten wir uns über die verschiedensten Dinge, auch aus dem Glaubensbereich.

Normalerweise bin ich bei der Behandlung sehr pünktlich. Sie tut mir gut, ich freue mich auf die gesundheitliche Besserung und die persönliche Begegnung. Letztens habe ich den Termin aber einfach vergessen. Ich hatte viel um die Ohren und fiel aus allen Wolken, als die Sekretärin der Praxis anrief und fragte, wo ich denn bliebe??? O mein Gott! rutschte es mir heraus. Zum Glück konnten wir zeitnah einen neuen Termin ausmachen.

Mit offensichtlicher Zufriedenheit erzählte mir mein Therapeut dabei folgende Geschichte. Irgendwie hatte wohl auch die Sekretärin mitbekommen, wer und was ich bin. Nach dem Telefonat hat sie jedenfalls ein bisschen spöttisch gesagt: Da hat ihm sein Gott aber nichts genutzt! Allerdings bemerkte der Therapeut auch, dass sie keine Ausfallrechnung geschrieben hat…

 Deutlich grinsend fragt er mich: Ob der liebe Gott da nicht doch ein bisschen geholfen hat??



Geistliches Tagesthema zum 23. August

Die Liebe ist langmütig und freundlich….

Ich habe mir vorgenommen, mich in meiner Auseinandersetzung nicht mehr erbittern zu lassen. Mich überhaupt nicht mehr in irgendwelche Streitigkeiten hineinzwingen zu lassen. Die Zukunft Zukunft sein zu lassen und mich auf die Gegenwart zu konzentrieren.

Es gelingt mir gar nicht schlecht. Langmütig zu sein hat auch etwas für sich. Es tut gut, manche Aufgeregtheiten nicht an sich herankommen zu lassen.

Allerdings macht Langmut nicht freundlich. Mir scheint sogar das Gegenteil richtig zu sein: Nicht nach seinen Gefühlen zu leben, Ängste nicht aufkommen zu lassen, Widrigkeiten zu trotzen – das stärkt zwar die innere Kraft, freundlich macht es aber nicht. Eher im Gegenteil!. Es kostet viel Mühe.

Die Liebe ist langmütig und freundlich… Ich finde beides richtig – nur leben kann ich es nicht.

Der Lehrtext vom 22. August kommt mir darum ganz nahe: Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst Hebräer 12,3).

Hilf, Herr, zu einem Leben in deinem Sinn und lass mich nicht matt werden!


Geistliches Tagesthema vom 20. August

Ich habe zurzeit eine langwierige Auseinandersetzung in der Familie. Es ist ein Thema, bei dem es keine Lösung gib. Die Positionen liegen weit auseinander und sind nicht vereinbar.

Eigentlich sollte man über das Thema schweigen. Es hat keine aktuelle Bedeutung, ist eher langfristig wichtig. Aber so schwer es ist, sich an einer juckenden Stelle nicht zu kratzen – obwohl man weiß, dass es dadurch nicht besser sondern schlimmer wird – so schwer ist es, die Sache beiseite zu schieben. Immer wieder kommt sie hoch und führt zu Ärger – und von Mal zu Mal wird er schlimmer.

Gestern sind mir die Gedanken des Paulus zur Liebe untergekommen. Im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes stehen sie. „Die Liebe ist langmütig und freundlich ….“ Weiter komme ich gar nicht mit dem Lesen. „Langmütig und freundlich“, nein, das bin ich nicht. Im Gegenteil! Je größer die Verbitterung wird, desto geringer wird die Freundlichkeit. 

Liebe ich also gar nicht? Die Frage trifft mich.

„Die Liebe ist langmütig und freundlich…“ Vielleicht sollte ich mehr über diesen Satz meditieren, statt viele Streitgespräche zu führen!

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Geistliches Tagesthema vom 16. August

Wir erleben einen Klimawandel: Hitzeperioden, Unwetter, Überschwemmungen, Versteppung der Landschaft, alles nimmt zu – und wir streiten darum: ist diese Entwicklung Menschen gemacht oder eine Entwicklung im deutlich langsameren Kalender der Natur?

Die Anzeichen häufen sich, dass das eine künstlich erzeugte Entwicklung ist. Immer mehr Wissenschaftler sagen: Daran sind wir Menschen und unsere ausufernde Lebensweise schuld.

Ich teile diese Sicht – und stehe zugleich staunend vor der Losung für den heutigen Tag. „Ich, der Herr, behüte den Weinberg und begieße ihn immer wieder. Damit man ihn nicht verderbe will ich ihn Tag und Nacht behüten“ (Jesaja 27,3).

Kann man das heute noch glauben?Es stimmt schon: Gott hat Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht gemacht – aber beschützt er wirklich die Natur? Vielleicht noch gegen uns Menschen? Wie wird das aussehen? Was wird er tun?

 Ich weiß gar nicht, ob ich das wissen will. Der Gedanke ist mir jedenfalls ein zusätzlicher Impuls für ein Klima schonendes Leben!


Geistliches Tagesthema vom 13. August

Was tue ich eigentlich, wenn ich bete?

Ich setze mich still hin und zünde eine Kerze an. Ich sammle meine Gedanken und versuche, innerlich still zu werden. Ich glaube, dass Gott mich sieht und hört, auch wenn ich das nicht beweisen kann.

Ich sage Gott, was mich beschäftigt, auch wenn er das längst weiß. Es ist trotzdem wichtig, ihm zu sagen wie ich die Dinge sehe. Dann spüre ich nach, ob sich etwas in mir regt. Dinge fallen mir ein: Aus der Bibel. Von anderen Menschen. Aus der Kirchengeschichte und der Gegenwart. Ich überlege, ob irgendetwas zu dem passt, was ich gesagt habe. Dann treffe ich eine Entscheidung, was ich tun will.

Ich kann nicht beweisen, dass Gott mit mir spricht. Ich kann nicht einmal beweisen, dass er mich hört. Ich setze das voraus – und ich handle, als ob das gegeben wäre.

Es tut mir gut, so zu handeln. Ich fühle mich nicht allein und erlebe immer wieder ganz überraschende Dinge. Und dann lese ich das Psalmwort: „Er erquicket meine Seele“ (Psalm 23,3; Tageslosung vom 13. August) – und fühle mich zutiefst verstanden.



Geistliches Tagesthema vom 9. August 2019

Eine Zusammenfassung unseres christlichen Glaubens bietet der neutestamentliche Bibelvers, der der heutigen Losung beigestellt ist. Im Galaterbrief heißt es: Wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die wir hoffen (Galater 5,5).

Wir – das zeigt, es geht um eine Gemeinschaft. Glauben allein geht eigentlich nicht;

warten – dieses Wort zeigt: Es steht noch etwas aus. Die Gegenwart ist nicht das Ziel;

im Geist – dieser Begriff macht deutlich, dass der Entschluss und seine Umsetzung nicht nur Menschenwerk ist. Wir können – und wollen(!) – es nicht allein tun;

durch den Glauben – ohne Gottes Geistkraft geht es nicht. Aber ohne menschliches Mitwirken geht es auch nicht. Glauben meint die Bereitschaft des Menschen, sich auf Gott einzulassen;

auf die Gerechtigkeit – das ist ein eigenwilliges Wort hier. Es sagt etwas über das momentane Leben, das als nicht gerecht empfunden wird. Interessant ist, dass hier nicht von Liebe, Frieden oder dem Reicht Gottes gesprochen wird;

auf die wir hoffen – mit dem letzten Satzteil lässt uns Paulus in sein Herz schauen. Er leidet unter der ungerechten Gegenwart und wünscht sich, dass dieser Zustand schnell beendet wird.

 Mir gefällt dieser Vers und ich mag mich gerne mit anderen Menschen zusammen auf diesen Weg einlassen!


Geistliches Tagesthema vom 6. August

Am frühen Morgen fällt mir ein, dass ich gestern vergessen habe, den Fahrradakku aufzuladen! Aber er schafft noch den Berg zum Schwimmbad hinauf.

Vor dem Schwimmen habe ich heute Respekt: Gestern ist es länger geworden, es gab auch nicht wenig Wein – aber ich kann meine Bahnen problemlos ziehen.

Heute sind auch ganz wenige Leute da! Das Wasser hat genau die richtige Temperatur – und gegen Ende meiner Zeit bescheint die Sonne einen Teil des Beckens. Man kann ihre Wärme sogar im Wasser spüren.

In der Dusche erzähle ich meinem Bahnnachbarn von meinen Bedenken und meinen Erfahrungen – und er erzählt, dass er schon 13 Jahre einem Weinbauer bei der Ernte hilft – einfach so. Der macht auch einen sehr guten Silvaner…

Bei der Heimfahrt sehe ich im Morgendunst das Zifferblatt auf dem Kirchturm. Ich komme genau zur richtigen Zeit heim.

Es gibt Tage, da passt einfach alles. Sie fühlen sich an wie Urlaub. Sie sind Geschenke. Oder wie sagt es die heutige Losung: Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten (Jesaja 50,8).

Danke, guter Gott! 



Geistliches Tagesthema vom 2. August

Bei den Losungen vom 1. August habe ich diese Worte gelesen:

„Meine Sehnsucht nach Geborgenheit strecke ich dir entgegen wie meine Hand, und ich werde gewiss: Du wirst antworten. Des Nachts, wenn die Stunden endlos werden, wenn meine Gedanken sich jagen und ihren Rhythmus hämmern im Gehirn, dann falten sich meine Hände, zaghaft zuerst, bald fest. Dann fange ich an, mich zu verlassen. Ich spüre, dass ich versinke in dir, meine Gott, und aufgefangen bin in unsagbarem Frieden.“

Drei Dinge machen mir diese Worte von Manfred Fischer deutlich.

Erstens: Auch andere Menschen haben schwere Nächte. Es ist im Leid tröstlich, Verbündete zu haben.

Zweitens: Diese Menschen finden ebenfalls Trost im Gebet. Beten ist heute nicht leicht kommunizierbar. Positive ähnliche Erlebnisse steigern daher den Mut.

 Und drittens: Wenn die Seele geplagt ist findet man Trost offensichtlich am ehesten, wenn man „sich verlässt“. Dass der Begriff „sich verlassen“ nicht nur auf einen anderen Menschen ausgerichtet ist, sondern auch ein konkretes „von mir weggehen“ meint, das war mir neu – aber ich verstehe es unmittelbar und teile es.



Geistliches Tagesthema vom 30. Juli 2019

Während seines Studiums in Paria soll Ignatius von Loyola an jedem Sonntag zur Beichte und zur Kommunion gegangen sein. So habe ich es vor Kurzem in einem Buch über ihn gelesen.

Im ersten Augenblick war ich darüber irritiert und befremdet. Jeden Sonntag beichten – was soll das?! Einem Evangelischen ist die Beichte eine eher fremde Institution.

Dann kam ich ins Nachdenken.

Jede Woche mein Verhältnis zu Gott überdenken. Jede Woche vor mir selbst und vor Gott mein Denken, Reden und Tun in Frage stellen. Regelmäßig bedenken, was Gott wohl von mir erwartet und ob ich dem entspreche. Und jede Woche hören: Deine Sünden sind dir vergeben! Das hat schon etwas.

Zumal Ignatius das nicht getan hat, weil es von ihm verlangt wurde. Er hat mit seinen Professoren sogar Ärger bekommen, weil er Veranstaltungen der Universität darüber versäumte. Es war ihm selber wichtig.

Inzwischen sehe ich das Verhalten von Ignatius anders – und ich würde gern mehr Menschen kennenlernen, denen ihr Verhältnis zu Gott so wichtig ist, dass sie deswegen sogar Ärger mit anderen Menschen in Kauf nehmen.


Geistliches Tagesthema vom 26. Juli

In die S-Bahn kam ein junger Mann: groß, kräftig, tätowiert, eine Kappe auf dem Kopf, das unvermeidliche Handy am Ohr. Er sprach laut in das Gerät. Er war spürbar angespannt.

Darf ich Dir erzählen, was sie jetzt wieder gemacht hat? … Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll: Sag ich etwas, ist es nichts. Sage ich nichts, bin ich gleichgültig!? …. Immer hat sie Recht. Ich mache anscheinend gar nichts richtig ….Ja – aber hat Deine Freundin schon einmal zu dir gesagt: Pack deine Sachen und verpiss Dich?!? …

Ich habe zugehört. Ich konnte nicht anders. Er tat mir Leid.

Und dann habe ich etwas gemacht, was ich noch nie gemacht habe. Ich habe ihn beim Rausgehen direkt auf das Gespräch angesprochen. Er war nicht erstaunt. Nicht verärgert. Nicht verwundert. Es war völlig in seinem Kummer verfangen.

Unser Gespräch dauerte keine Minute. Dann ging jeder seiner Wege im Getümmel des Hauptbahnhofes.

 Ob ich das Richtige gesagt habe? Ich weiß es nicht. Aber ich habe ihm Verständnis und Mitgefühl gezeigt. Manchmal ist das schon etwas.


Geistliches Tagesthema vom 23. Juli

Ich bin aus dem Urlaub zurück. Es war sehr schön. Ich bin allerdings kein neuer Mensch geworden. Der Alltag ist so schnell wieder da! Ich habe mit einer Person eine Auseinandersetzung. Wir haben darüber schon öfter gesprochen, aber keine Lösung gefunden.

Es liegt ein wirkliches Problem vor. Wir haben keinen Fehler gemacht, den wir wieder gut machen könnten. Es handelt sich um kein Missverständnis, das sich aufklären ließe. Es gibt keine Möglichkeit, die Interessen zu versöhnen: Beide sind begründet. Aber sie sind unvereinbar: Entweder bekommt die Person, was sie möchte oder ich. Beides geht nicht. Auch eine Ausführung nacheinander ist nicht möglich. Es gibt keinen Vergleich. Einer muss verzichten.

Aber wer? Und wie? Im Losungsheft habe ich gestern einen Liedvers gelesen:

Zeig mir mit deinen Gaben den Weg durch diese Welt.

Gib, dass ich Hoffnung habe, die fest an Dich sich hält,

die das, was doch zerrinnt,

verlässt im Weiterschreiten

und durch der Gnade leiten

das Bleibende gewinnt (J.A.Comenius/Th.Gill).

 

Liegt hier die Lösung verborgen? Ist das Problem weltlich und deshalb vergänglich? Gibt es auch Dinge, die die Ewigkeit betreffen – und sollte ich mir lieber darum Gedanken machen?

 

Ich bin noch nicht so weit, einfach zu verzichten. Aber ich will diesen Ansatz bedenken!



Geistliches Tagesthema vom 14. Juni

In der Natur kann man es zurzeit beobachten: Die Früchte im Garten reifen heran. Aus der Blüte entwickelt sich die kleine Himbeere oder Erdbeere. Erst wird sie groß, dann ändert sie ihre Farbe, wird weich und schließlich reif und süß.

Kann man diesen Ablauf auch auf das Menschenleben übertragen? Erobert sich auch der Mensch erst seinen Platz in der Welt, wird groß – um dann, in der Phase des Reifens, „genießbar“ zu werden? Braucht es solche Zeiten, in denen äußerlich wenig geschieht, innerlich dagegen umso mehr??

Mir gefällt diese Vorstellung. Ich erlebe auch die Zeit des Ruhestandes so: Es passiert nicht mehr sehr viel. Das, was geschieht, ist aber umso wichtiger. Ich will nicht mehr kämpfen und mich anstrengen. Ich will mich Gott überlassen, weich und nachgiebig werden. Ich möchte ein angenehmer Mensch in seinem Reich werden….

Dazu soll auch der Urlaub beitragen, der in diesen Tagen beginnt. Abschalten, nichts mehr leisten, wahrnehmen, Zeit haben, geschehen lassen. Vielleicht sind solche Zeiten besonders wichtig im Leben.

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Reifezeit. Genießen Sie sie, wann und wo auch immer, gerade wenn sich äußerlich scheinbar nichts tut. Gott ist am Werk!



Geistliches Tagesthema vom 11. Juni  

Christus möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung. So lautet der Lehrtext aus dem Neuen Testament zum 11. Juni. Was für ein schöner Vers aus dem Philipperbrief (3,10)!

Es geht nicht nur um mein Leben. Es gibt Wichtigeres als meine eigene Befindlichkeit. Das ist das erste, was in diesem Vers steckt. Wer auf Christus schaut, der sieht über sich hinaus. Der Blick auf Jesus gibt dem Leben einen weiten Horizont.

An Jesus ist aber nicht nur interessant, was er zu seinen Lebzeiten gesagt und getan hat. Seine Worte und Taten sind etwas Besonderes. Sie unterscheiden sich sehr von dem, was die meisten Menschen selber sagen oder tun. Aber es geht nicht nur um das Leben in dieser Welt – es geht um die Kraft von Jesu Auferstehung.

Die Auferstehung weist über Jesu Leben auf dieser Erde hinaus. Sie ist das Zentrum unseres Glaubens. Mit ihr bekommt unser Leben einen neuen Aspekt. Es gibt nicht nur das Leben auf dieser Welt mit seinem Höhen und Tiefen. Es gibt noch etwas ganz anders, wichtigeres. Es gibt die Verheißung eines neuen, ewigen Lebens in der Gegenwart Gottes.

In die Ewigkeit Gottes ist uns Jesus mit seiner Auferstehung voraus gegangen. Darum ist er das Zentrum unseres Glaubens. Darum ist er so wichtig. Darum sagen wir: Christus möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung.

Diesen Glauben drückt sehr schön ein Liedvers von J.A. Comenius und Th. Gill aus, der den Losungen beigegeben ist.

Stund auf Stunde, Tag auf Tag schwinden und vergehen,

und auch wir wie Schatten fliehn, eh wir’s uns versehen.

Der du unsre Jahre weißt, Herr, den Weg, das Ende,mach uns weise und nimm uns einst in deine Hände.




Geistliches Tagesthema vom 7. Juni 2019

Ganz besonders ist die Losung vom vergangenen 7. Juni. Sie nimmt etwas in den Blick, was man sonst eher im Buddhismus oder in religiös neutralen Achtsamkeitshaltungen suchen würde.

„Hüte dich nur und bewahre deine Seele …“ beginnt sie. Und der Lehrtext ergänzt: „Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!“

Es gibt offensichtlich unterschiedliche Zeiten im Leben eines Menschen. In manchen Zeiten muss man sich um andere Menschen kümmern, in anderen um sich selber. In den einen Zeiten muss man sich anstrengen, etwas zu erringen – in den anderen, es auch zu behalten. Zuzeiten braucht es vollen Einsatz für eine Sache, dann wieder steht die eigene Seele im Mittelpunkt.

Die Frage ist jetzt nicht: Was ist besser? Das Eine oder das Andere?

Die Aufgabe des Menschen ist auch nicht, sich das herauszusuchen, was ihm besser gefällt.

Wer an Gott glaubt, der nimmt sich selbst zurück und tut, was Gott sagt, was auch immer das gerade ist. Er tut es im Vertrauen darauf, dass Gott es gut mit ihm oder ihr meint und nichts sagt, was dem Menschen schadet. Ein glaubender Mensch tut Gottes Willen sogar dann, wenn er ihn nicht versteht – weil er Gott mehr vertraut, als seinem eigenen Verstand.

Eine solche Lebenshaltung ist in einer Zeit nicht modern, die die Selbstentfaltung und den freien Willen des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Aber ich glaube, dass solcher Gehorsam gegenüber Gott heilsam und gut ist – am allermeisten für den Menschen selber.

Probieren Sie es doch mal aus!


Geistliches Tagesthema vom 4. Juni 2019

Meine Frau und ich waren ein paar Tage wandern. Von Station zu Station, den Rucksack auf dem Rücken. Das gefällt uns! Dieses Mal hatten besonders viele persönliche Begegnungen.

Da waren die drei Handwerker am Himmelfahrtstag. In unserem Reiseführer entdecken sie ihr Geburtshaus und zeigen uns, hinter welchen Fenstern sie gewohnt haben.

Ein Hotelier erzählt, wie er vor 42 Jahren das Hotel übernommen hat, obwohl er eigentlich Kunstschlosser war. Er wird es führen, solange es geht - obwohl er bei einem Unfall einen Fuß verloren hat (der wieder angenäht wurde) und auch schon einen Schlaganfall hatte. Er freut sich, dass er heute Abend mit seiner Tochter gemeinsam Musik für die Gäste machen kann.

Ein Gastwirt beklagt die Schwierigkeiten seines Berufes. Die politische Gemeinde fördert das Sportheim mit 800.000 Euro, das ihm Konkurrenz macht – und keines seiner vier Kinder will das wunderschöne alte Haus mit Garten weiter führen. In ein paar Jahren wird er zusperren.

Die Zimmerwirtin fährt uns am Abend zum Essen, weil es in dem Ort kein Wirtshaus mehr gibt. Als im ersten Gasthaus „geschlossene Gesellschaft“ ist, fährt sie uns zum nächsten – und holt uns auch wieder ab. Mit Mühe nimmt sie ein paar Euro dafür…

Der Kellner lässt uns die verschiedenen Weine des Hauses probieren und erzählt von den Besonderheiten des Weinbaus bei seinem Chef.

 

Ich danke Gott für die Einblicke in so unterschiedliche Leben – und dafür, dass es so viele nette Menschen auf der Welt gibt. Warum übersieht man sie nur im Alltag so oft?!


30. Mai, Himmelfahrt

 

Meine Frau und ich gehen an Himmelfahrt für ein paar Tage wandern. Meine Tochter geht mit ihrem Freund auch wandern. Viele Menschen ziehen an Himmelfahrt durch die Lande, mehr oder weniger besinnlich. Zudem gibt es viele Gottesdienste im Grünen.

Was ist die Ursache für diesen Aufbruch, fragte mich meine Tochter? Warum gerade an Himmelfahrt? Weil es so in der Bibel steht! habe ich geantwortet, eher scherzhaft als wissend.

Bei Lukas nun lese ich, dass Jesus die Jünger nach Betanien mitgenommen hat, knapp drei Kilometer außerhalb von Jerusalem. Dort wurde er in den Himmel aufgenommen und die Jünger kehrten wieder nach Jerusalem zurück. Sie waren also schon eine gute Stunde unterwegs…

Ob die Neigung, an Himmelfahrt ins Freie zu gehen, wirklich mit Jesu Spaziergang zusammenhängt, weiß ich tatsächlich nicht. Verkehrt ist es aber nicht. Frische Luft tut gut und Bewegung erst recht. Vielleicht gibt die andere Umgebung auch Raum für ein besonders Erlebnis.

 Ich wünsche es Ihnen…



28. Mai 2019

Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Gott unseres Heils!

Die Losung vom 28. Mai trifft überhaupt nicht meine Stimmung. Ich habe eine berufliche Niederlage erlitten. Ich dachte, Menschen würden mich schätzen – und es stellte sich heraus: Ich war nur Mittel zum Zweck. Ich war nur gut genug, eine Lücke zu stopfen. Jetzt werde ich nicht mehr gebraucht.

Wie oft geht es Menschen so?! Das passiert im Leben immer wieder! Nur glaubende Menschen meinen manchmal, solche Erfahrungen müsste ihnen der „liebe Gott“ ersparen. Er müsste sie vor schlimmen Handlungen bewahren – und wenn er es nicht tut, sind sie ihm böse. Dann können sie nicht mehr „dem Herrn frohlocken und jauchzen“.

Aber wenn Gott seine Gläubigen vor allen Niederlagen bewahren, ihnen alle Ungerechtigkeit ersparen und alles zum Guten wenden würde, wo bliebe dann die Freiheit? Freiheit beinhaltet immer auch die Entscheidung gegen etwas. Die würde dann durch eine höhere Macht ausgehebelt.

Ich weiß nicht, wozu mir meine Niederlage dienen soll, aber ich will mir von den Menschen, die sie mir beigebracht haben, nicht das Gotteslob ersticken lassen. Das wäre denn doch zu viel der Ehre für sie.

 

Darum: Lob und Preis dem Gott, der mich ins Leben gerufen hat und zu seiner Ewigkeit geleiten wird. Er soll mich den Weg führen, den er bestimmt hat. Ich werde mit ihm gehen und ihn loben – nicht immer aus vollem Herzen, aber doch!



24. Mai

Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge, noch ein Menschenkind, dass ihn etwas gereue. Dieser klare Satz aus dem vierten Buch Mose ist die Losung für den heutigen 24. Mai 2019.

So klar der Satz ist, so falsch ist zumindest sein zweiter Teil. Zwar lügt Gott nicht – aber gereut hat ihn einiges in seiner langen Geschichte mit den Menschen.

Hier ein paar Beispiele:

1. Mose 6: Als aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden …, da reute es den Herrn, dass er die Menschen gemacht hatte.

2. Mose 32,14: Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk angedroht hatte.

1. Samuel 15, 11: Gott sagt: Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe.

Mir hat immer gefallen, dass wir einen lebendigen Gott haben und keinen „unbewegten Beweger“ wie bei den alten Griechen. Daran will ich festhalten, auch wenn in einer einzelnen Bibelstelle etwas anders gesagt wird. Wenn nämlich selbst Gott etwas reut, dann dürfen auch wir Menschen Fehler machen – vorausgesetzt, wir wollen es danach auch wieder gut machen.

Das gilt – auch wenn wir Menschen niemals die Kraft Gottes haben werden, der sich für die Menschen schließlich sogar ans Kreuz schlagen ließ. 




21. Mai 

Ein Schluck Wasser oder Bier vertreibt den Durst, ein Stück Brot Hunger, Christus vertreibt den Tod. – Dieser markante Satz von Martin Luther ist den Losungen vom 21. Mai beigegeben.

Der Reformator ist unübertroffen in seiner Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen. Was Erlösung heißt, wie Freiheit vom Gesetz der Sünde ausschaut, das beschreibt er mit treffenden Bildern.

Luthers Gedankengang ist ein Dreischritt: Christus ist von den Toten auferstanden. Der Tod hat also offensichtlich seine unbeschränkte Macht verloren. In der Verbindung mit Christus stehe auch ich nicht mehr unter seinem Diktat. So die Überzeugung Luthers.

In der Praxis haben aber trotzdem viele Menschen große Schwierigkeiten, die Gewissheit des Glaubens in das tägliche Leben zu übernehmen. Sie verhungern trotz des Angebots des Lebens.

 

Hier gibt es noch viel zu tun - und dabei möchte ich mithelfen.


17. Mai

In den Losungen vom 17. Mai wird  eine interessante Frage aus dem biblischen „Brief an die Hebräer“ aufgegriffen. Es heißt dort: Sind die Engel nicht alle dienende Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil erben werden (Hebr. 1,14)?

Bei den Menschen finden sich beide Gruppen: Solche, die an Engel glauben und solche, die das nicht tun. Das ist bei einem Phänomen nicht verwunderlich, das man nicht einfach „herzeigen“ kann.

Aber auch die „Nicht-Gläubigen“ können über diese Aufgabenbeschreibung für die Engel staunen: Engel sollen für die tätig werden, die das Heil erben werden. Das ist ein faszinierender und einleuchtender Arbeitsauftrag – auch wenn man nicht so einfach sagen kann, wer genau die Zielgruppe ist!

Und zur Frage, ob es Engel nun gibt oder nicht, zitiert das Losungsbuch den bekannten englischen Baptistenprediger Spurgeon (1834 – 1892): Wir können die Engel nicht sehen. Aber es ist genug, dass sie uns sehen können.

 

Dem ist nichts hinzuzufügen.



14. Mai 2019

Von der Sorge um Schutz und Hilfe erzählen die heutigen Losungstexte. Die Bedürftigkeit von Menschen wird hier wahrgenommen und in unterschiedlicher Weise beantwortet. Menschen kümmern sich.

Wie wohltuend ist das!

In unserer Zeit spüre ich zunehmend das Bedürfnis, alles selber bestimmen zu können, autonom zu sein, nicht auf andere Menschen angewiesen zu sein. Das geht vom Individualverkehr, dem kaum beizukommen ist, über menschliche Beziehungen bis hin zu Krankheit und Tod. Kaum ein Mensch ist noch bereit, sich anderen Menschen anzuvertrauen.

Vielleicht kann die Bereitschaft der Menschen aus den Losungen, sich um andere zu kümmern, uns ermutigen, ebenfalls mehr zu vertrauen. Das würde uns sicher gut tun.


 


10. Mai 2019

Kommt, Kinder, lasst uns wandern, wir gehen Hand in Hand;
eins freuet sich am andern in diesem wilden Land.
Kommt, lasst uns kindlich sein,
uns auf dem Weg nicht streiten; die Engel selbst begleiten
als Brüder unsre Reihn, als Brüder unsre Reihn.

Dieser Liedvers von Gerhard Tersteegen ist als Gebet der heutigen Tageslosung zugeordnet. Das Lied, abgedruckt im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 393,7, beschreibt das Leben von Christenmenschen als einen Weg durch raue Verhältnisse. Aber an der Hand Gottes und im Vertrauen auf seine Verheißungen führt es zum Ziel.

Auch wer die Bundesrepublik im 21. Jahrhundert nicht als "wildes Land" empfindet, ahnt doch, was gemeint ist. Und kindliches Vertrauen haben und Gemeinschaft suchen sind auch in unserer Zeit noch erstrebenswerte Tugenden. Schön, dass sie so eine Verheißung haben.


Die zeitliche Lücke in den Gebetsfrüchten ist der großen Pause geschuldet, die die homepage aus verschiedenen Gründen erfahren musste. Ich hoffe, in der Zukunft wieder mehr Zeit für solche Besinnung zu haben.



Gebetsfrüchte, 22. Januar 2019

Ich habe wieder eine neue Krankheit – und sie macht mir ganz schön zu schaffen. Die Beweglichkeit ist eingeschränkt, ich muss auf Behandlungstermine warten, die Schmerzen sind nicht wenig.

Ist das gerecht? Habe ich nicht schon so viel aushalten müssen? Muss das jetzt auch noch sein?

Ich weiß nicht, was Gott sich dabei gedacht hat. Ich glaube nicht an eine Strafe. Ich glaube nicht an eine erzieherische Maßnahme. Ich glaube nicht an ein Versehen. Die Krankheit gefällt mir nicht, aber ich zweifle nicht an Gottes Liebe – von manchen dunklen Stunden einmal abgesehen.

Krankheit gehört zu unserem Leben. Aber sie trennt nicht von Gott. Die Verheißung ewigen Lebens gilt mir immer noch, auch wenn ich krank bin. Der Weg dahin ist halt etwas mühsamer. Aber meine Vorfahren hatten ein viel schwierigeres Leben als ich und in vielen Teilen der Welt gilt das heute noch. Ich habe keinen Anspruch auf Einfachheit.

Darum: Danke, Gott, für Deine Verheißung, Gott. Sie steht über allem.




Gebetsfrüchte, 17. Januar 2019

„Warum hat Hansen während seines ganzen Lebens kaum etwas von der großen Kraft in sich gespürt? Vielleicht, weil er sich allzu sehr auf die Welt eingelassen hatte? Weil er zu stark verstrickt gewesen war in die Geschehnisse des äußeren Lebens? Weil er seine Klugheit zu ernst genommen hatte? Denn mit Klugheit kann man Brücken und Hochhäuser bauen, man kann Professor werden oder ein erfolgreicher Filmemacher – Liebe und Mitgefühl aber brauchen keine Klugheit, und ist nicht ein gutes Herz viel wertvoller als ein brillanter Kopf?“

Das ist ein kurzer Abschnitt vom Ende des Buches „Dämonen“ von Jürgen Domian. Der Held, Hansen, gerät in große Gefahr. Fast hätte er sich selbst umgebracht. Aber er besteht seine Gefährdungen. Er setzt sich gegen seine Dämonen durch und findet in das Leben zurück.

Dass das Buch trotzdem tragisch endet mag der Dramaturgie geschuldet sein. Ein Ende mit Schrecken ist eben doch eindrücklicher und verkaufsfördernder, als eine gelernte Lebenslektion. Mich aber hat es fasziniert, dass ein Gegenwartsautor zum selben Ergebnis kommt, wie das 2000 Jahre alte Buch der der Bücher, die Bibel: „Die Liebe aber ist die größte unter ihnen“ (1. Kor. 13,13). Der Liebe zu vertrauen und ihr entsprechend zu leben ist eine Herausforderung für jeden Tag.




16. Januar 2019

Ein Mann will sterben. Er ist nicht krank, weder am Körper noch an der Seele, er hat keine wirklichen Probleme, weder mit sich noch mit anderen Menschen, er hat das Leben einfach satt. Er erwartet sich nichts mehr davon. Weder die gute Beziehung zu seinem Sohn noch das wahrhaftige Verhältnis zu einem Freund halten ihn von seinem Entschluss ab – und mit Frauen hat er auch abgeschlossen. Also beschließt er, in sein Lieblingsland nach Nordschweden zu fahren und am 21. Dezember, an seinem 60. Geburtstag, eine Flasche Whisky zu trinken und sich dann nackt in den Schnee zu legen…

So beginnt das Buch „Dämonen“ von Jürgen Domian, das ich heute Nacht angefangen habe zu lesen.

Der Mann kann mit Gott und Glauben nichts anfangen. Er sieht das Leben von einer anderen Seite. Darum würde ihm auch die heutige Losung nichts sagen. Aber zu mir haben die Worte an diesem Morgen gesprochen. „Wenn dich dein Bruder oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lass uns hingehen und anderen Göttern dienen, so willige dich nicht ein“ (5. Mose 13, 7.9).

Es kann sein, dass einen die nächsten Menschen in die Irre führen wollen. Unbedingt gehören aber in die obige Aufzählung noch die eigenen Dämonen hinein… Martin Luther hatte schon Recht: Die Hölle ist in der eigenen Brust.



30. Dezember 2018

Ich sitze in diesen Tagen zum Gebet oft vor der Krippe. Noch sind alle da: Maria, Josef, das Kind in der Krippe, die Hirten. Die Waisen sind bereits auf dem Weg durch das Wohnzimmer. Bald werden sie an der Krippe eintreffen und sich mit den Anderen versammeln.

Dann aber wird es blitzschnell gehen: Der Engel wird Joseph erscheinen und ihn von den Mordplänen des Herodes unterrichten – und noch in derselben Nacht wird Joseph aufstehen, das Kind und seine Mutter nehmen und nach Ägypten fliehen. Dann hat es mit der Beschaulichkeit ein Ende. Dann kommt es darauf an, schnell und entschlossen zu handeln. Die Familie muss überleben. Alles andere muss zurückstehen.

Wie unterschiedliche Phasen es doch im Leben von uns Menschen gibt. Manchmal haben wir Zeit ohne Ende, können den Dingen in allen Richtungen nachsinnen. Dann wieder kommt es nur auf den nächsten Schritt an. Allein das nackte Überleben ist wichtig.

Beides, Herr, kommt offensichtlich aus Deiner Hand. Lass mich mein Leben als Ganzes annehmen und tun, was Dir jeweils wohl gefällt.



20. Dezember 2018

Eigentlich wollte ich meinen Hausarzt und seine Verordnung kritisieren. Mein Physiotherapeut hielt das Schmerzmittel, das er mir verschrieben hatte, für viel zu stark und hatte ein deutlich schwächeres Mittel empfohlen.

Das könne ich schon auch nehmen, meinte mein Hausarzt. Es habe nur eine Nebenwirkung, die sich mit einem anderen meiner Medikamente nicht gut vertrage. Deshalb habe er sich für das stärkere, aber in diesem Fall gefahrlosere Mittel entschieden.

Ich war beschämt und erfreut zugleich. Ich erkannte nicht nur das höhere Wissen meines Arztes – ich spürte auch seine stille Fürsorge für meine Gesundheit.

Wie oft tun Menschen etwas, dessen Bedeutung man gar nicht gleich erkennt... Sagen wir nicht auch, dass Gott im Himmel so verborgen wirkt??? 


13. Dezember 2018

Fast 35 Jahre war ich Pfarrer in der evangelischen Kirche, über 20 Jahre benutze ich das neue Gesangbuch – und immer noch gibt es sogar Adventslieder, die ich nicht kenne. Aus einem davon, aus dem Lied „Gott sei Dank durch alle Welt“ (Evang. Gesangbuch, Lied Nr. 12), stammt das heutige Gebet in den Losungen.

Beim Nachsinnen über die Worte ahne ich, warum das Lied eher unbekannt geblieben ist. Jesus wird darin als Herr der Welt gesehen, der kommt um die Menschen und die Welt zu erlösen – und nicht als kleines Kind in der Krippe, das so unbegreiflich süß ist. 

Entsprechend auch die Bitte an ihn am Ende: „Richte du auch eine Bahn, dir in meinem Herzen an.“

Ich bitte einen Starken mich zu stärken – schade, dass solches Verhalten so ungewöhnlich geworden ist. 


 

5. Dezember 2018

Albert Einstein schreibt in seinem sogenannten Gottesbrief, dass das Wort "Gott" ein Zeichen für die Schwäche des Menschen ist. 

Diese Erkenntnis war einem Bieter fast 3 Millionen Dollar wert. Für diesen Betrag wurde der Brief am 4. Dezember versteigert.

Aber wer ist  stärker: Einer, der seine Schwäche erkennt und Hilfe sucht - oder einer, die seine Schwäche leugnet und ignoriert? 

Wenn ich schwach bin, bin ich stark, sagt der Apostel Paulus dazu. 

Auch wenn es paradox klingt: Mir ist diese Form von Schwäche lieber, als eine eingebildete Stärke.